Netzentwicklungsplan und Umweltbericht

Die vier Übertragungsnetzbetreiber nutzen den genehmigten Szenariorahmen, um den Ausbaubedarf für die kommenden Jahre zu berechnen. Sie berücksichtigen dabei unter anderem Annahmen zur räumlichen Ver­teilung der Versorgungs­kapazitäten, des Energie­bedarfs und der Kraftwerke. Dadurch wird beispielsweise ab­gebildet, welche Regionen Deutschlands besonders viel Strom aus Windenergie oder Photovoltaik erzeugen und wo künftig die Verbrauchszentren liegen werden.

Auf der Grundlage des Szenariorahmens be­stimmen die Über­tragungsnetz­betreiber nun den notwendigen Netzausbau. Die Ergeb­nisse fassen sie in einem gemeinsamen Netz­entwicklungsplan (NEP) zusammen. Dieser enthält alle wirksamen Maß­nahmen zur bedarfsgerechten Opti­mierung, zur Ver­stärkung und zum Ausbau des Netzes, die in zehn bis 15 Jahren für einen sicheren und zuver­lässigen Netzbetrieb erforderlich sind. Zudem muss der NEP ab 2019 Angaben zu wirksamen Maß­nahmen zum Ausbau der Offshore-Anbindungs­leitungen in der aus­schließlichen Wirtschaftszone (AWZ) und im Küsten­meer ein­schließlich der Netz­anknüpfungs­punkte an Land enthalten.

Zur Bestimmung der notwendigen Maßnahmen folgen die Netzbetreiber dem sogenannten NOVA-Prinzip (Netz-Optimierung vor -Verstärkung vor -Ausbau). Das bedeutet, dass sie zunächst versuchen, den Netzbetrieb zu optimieren, bevor das Netz verstärkt oder gar aus­gebaut werden muss. Sind Verstärkungen oder Ausbau unumgänglich, so wird im Netzentwicklungsplan ange­geben, von wo nach wo die neuen Leitungen führen sollen. Genaue Trassen werden dabei noch nicht definiert, sondern lediglich die Anfangs- und Endpunkte.

Die Übertragungsnetzbetreiber stellen ihren Entwurf des Netzentwicklungsplans zur öffentlichen Diskussion (Konsultation), passen ihn bei Bedarf an und übermitteln ihn anschließend an die Bundes­netzagentur. Diese prüft den Plan fachlich und inhaltlich und kann die Netz­betreiber bei Bedarf zu weiteren Anpassungen ver­pflichten.

Umsetzungsbericht

In Jahren, in denen die Übertragungsnetz­betreiber keinen Entwurf vor­legen, müssen sie seit 2016 einen Umsetzungs­bericht erstellen. Dieser soll Angaben zum Stand der Umsetzung des zuletzt bestätigten Netz­entwicklungs­plans enthalten. Im Fall von Ver­zögerungen der Umsetzung sollen die dafür maßgeblichen Gründe und die Risiken enthalten sein sowie Möglichkeiten und Vorschläge, um den Netzausbau zu beschleunigen.

Umweltauswirkungen werden berücksichtigt

Bei allen Entscheidungen über den Netzausbau müssen die möglichen Umwelt­auswirkungen frühzeitig ein­bezogen werden. Das Energie­wirtschaftsgesetz schreibt hierfür eine sogenannte Strategische Umweltprüfung (SUP) vor. In der SUP untersucht die Bundesnetzagentur für alle notwendigen Vorhaben, welche Folgen sich voraussichtlich für Menschen, Tiere und Umwelt durch den Bau von Frei­leitungen und Erdkabeln in Wechsel- oder Gleichstrom­technik ergeben können.

Zu diesem frühen Planungszeitpunkt ist in vielen Fällen noch nicht bekannt, wo die Leitungen genau verlaufen werden. Allzu konkrete Aussagen zu den Umweltfolgen sind in der SUP daher noch nicht möglich. Man kann aber bereits feststellen, wo einem Leitungsausbau gegebenen­falls schwer überwindliche Hindernisse entgegen­stehen. Die Ergebnisse der Strategischen Umweltprüfung werden in einem Umwelt­bericht zusammengefasst.

Sobald der Umweltbericht vorliegt, stellt ihn die Bundes­netzagentur gemeinsam mit dem geprüften Entwurf des Netzentwicklungsplans zur Konsultation. Das Ergebnis dieser Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung berück­sichtigt die Bundes­netz­agentur bei der Bestätigung des Netzentwicklungsplans.

Bestätigte Netzentwicklungspläne, Entwürfe, Stellung­nahmen und Umweltberichte finden Sie unter Bedarfs­ermittlung beim jeweiligen Zieljahr.