Netzentwicklungspläne und Umweltbericht

Die vier Übertragungsnetzbetreiber nutzen den genehmigten Szenariorahmen, um den Ausbaubedarf für die kommenden Jahre zu berechnen. Sie berücksichtigen dabei unter anderem Annahmen zur räumlichen Ver­teilung der Versorgungs­kapazitäten, des Energie­bedarfs und der Kraftwerke. Dadurch wird beispielsweise ab­gebildet, welche Regionen Deutschlands besonders viel Strom aus Windenergie oder Photovoltaik erzeugen und wo künftig die Verbrauchszentren liegen werden.

Auf der Grundlage des Szenariorahmens be­stimmen die Über­tragungsnetz­betreiber nun den notwendigen Netzausbau. Die Ergeb­nisse fassen sie in einem gemeinsamen Netz­entwicklungsplan (NEP) zusammen. Dieser enthält alle wirksamen Maß­nahmen zur bedarfsgerechten Opti­mierung, zur Ver­stärkung und zum Ausbau des Netzes, die in 10 bis 15 Jahren für einen sicheren und zuver­lässigen Netzbetrieb erforderlich sind.

Zur Bestimmung der notwendigen Maßnahmen folgen die Netzbetreiber dem sogenannten NOVA-Prinzip (Netz-Optimierung vor Verstärkung vor Ausbau). Das bedeutet, dass sie zunächst versuchen, den Netzbetrieb zu optimieren, bevor das Netz verstärkt oder gar aus­gebaut werden muss. Sind Verstärkungen oder Ausbau unumgänglich, so wird im Netzentwicklungsplan ange­geben, von wo nach wo die neuen Leitungen führen sollen. Genaue Trassen werden dabei noch nicht definiert, sondern lediglich die Anfangs- und Endpunkte.

Der Netzentwicklungsplan enthält die Maßnahmen an Land. Für den Anschluss der Windparks auf See gibt es einen eigenen Plan, den sogenannten Offshore-Netz­entwicklungsplan. Er gibt insbesondere vor, in welcher zeitlichen Abfolge die Leitungen zwischen den Windparks und dem Stromnetz an Land errichtet werden sollen. Kriterien hierfür können unter anderem die räumliche Nähe zur Küste, der Zeitpunkt der Inbetriebnahme des Netzanknüpfungspunktes oder die Lage des Windparks in einem besonderen Eignungsgebiet sein.

Die Übertragungsnetzbetreiber stellen ihren Entwurf des Netzentwicklungsplans sowie des Offshore-Netz­entwicklungs­plans zur öffentlichen Diskussion (Konsul­tation), passen ihn bei Bedarf an und übermitteln ihn anschließend an die Bundes­netzagentur. Diese prüft die Netzentwicklungspläne fachlich und inhaltlich und kann die Netzbetreiber bei Bedarf zu weiteren Anpassungen verpflichten. In Jahren, in denen die Übertragungsnetz­betreiber keine Netzentwicklungspläne vorlegen, müssen sie ab 2016 einen Umsetzungsbericht erstellen. Dieser soll Angaben über die Umsetzung der zuletzt bestätigten Netzentwicklungspläne enthalten und im Fall von Ver­zögerungen der Umsetzung die dafür maßgeblichen Gründe.

Umweltauswirkungen werden berücksichtigt

Bei allen Entscheidungen über den Netzausbau müssen die möglichen Umwelt­auswirkungen frühzeitig ein­bezogen werden. Das Energie­wirtschaftsgesetz schreibt hierfür eine sogenannte Strategische Umweltprüfung (SUP) vor. In der SUP untersucht die Bundesnetzagentur für alle notwendigen Vorhaben, welche Folgen sich voraussichtlich für Menschen, Tiere und Umwelt durch den Bau von Frei­leitungen und Erdkabeln in Wechsel- oder Gleichstrom­technik ergeben können.

Zu diesem frühen Planungszeitpunkt ist in vielen Fällen noch nicht bekannt, wo die Leitungen genau verlaufen werden. Allzu konkrete Aussagen zu den Umweltfolgen sind in der SUP daher noch nicht möglich. Man kann aber bereits feststellen, wo einem Leitungsausbau gegebenen­falls schwer überwindliche Hindernisse entgegen­stehen. Die Ergebnisse der Strategischen Umweltprüfung werden in einem Umwelt­bericht zusammengefasst.

Sobald der Umweltbericht vorliegt, stellt ihn die Bundes­netzagentur gemeinsam mit den geprüften Entwürfen der Netzentwicklungspläne zur Konsultation. Das Ergebnis dieser Öffentlichkeits- und Behördenbeteiligung berück­sichtigt die Bundes­netzagentur bei der Bestätigung des Netzentwicklungsplans und des Offshore-Netz­entwicklungs­plans.

Bestätigte Netzentwicklungspläne sowie Entwürfe und Stellungnahmen und den Umweltbericht finden Sie unter Bedarfsermittlung beim jeweiligen Zieljahr.

Alte Regelung

Bis Ende 2015 waren die Übertragungsnetzbetreiber jährlich zur Erstellung der Netzentwicklungspläne verpflichtet. Mit der Änderung des Energie­wirtschafts­gesetzes gilt seit 2016 ein Zwei-Jahres-Rhythmus und die Betrachtungszeiträume sind wie auch beim Szenario­rahmen flexibilisiert.