Netzentwicklungsplan 2019-2030 und Umweltbericht

Die Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW haben am 15. April 2019 den zweiten Entwurf des Netzentwicklungsplans Strom (NEP) für die Zieljahre 2030 und 2035 vorgelegt. Die Bundesnetzagentur hat mit dessen Prüfung begonnen und konsultiert nun mit dem Entwurf, den vor­läufigen Prüfungsergebnissen sowie dem Entwurf eines Umweltberichts die Öffentlichkeit.

Netzentwicklungsplan

Der NEP 2019-2030 soll die Ausbau-Maßnahmen auf­listen, die für eine sichere Stromversorgung bis zum Jahr 2030 notwendig sind. Erstmals wurde dem aktuellen NEP-Entwurf das Ziel der Bundesregierung zugrunde gelegt, den Anteil der erneuer­baren Energien bis 2030 auf 65 Prozent zu erhöhen. Der Abschlussbericht der Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung vom 26. Januar 2019 ist insoweit berück­sichtigt, dass das Szenario C 2030 den Ausstiegs­pfad aus der Kohleverstromung bis zum Zieljahr 2030 abbildet. Um auch den langfristigen Effekt des vollständigen Kohle­ausstiegs zu berücksichtigen, hat die Bundes­netzagentur zusätzlich zu den Szenarien des Szenario­rahmens 2019-2030 ein Szenario C 2038 für die Prüfung verwendet.

Die Bundesnetzagentur hält nach aktuellem Stand der Prüfung 96 der 179 von den Übertragungsnetz­betreibern vorgeschlagenen Maßnahmen für erforderlich. Dazu gehören weiterhin alle Vorhaben des Bundesbedarfsplan­gesetzes sowie darüber hinaus 56 zusätzliche Ausbau­maßnahmen. 83 der von den ÜNB vorgeschlagenen Maßnahmen stuft die Bundesnetzagentur gegenwärtig als nicht bestätigungsfähig ein.

Unter anderem schlagen die Netzbetreiber vor, bis 2030 eine zusätzliche Leitung zur Hochspannungs-Gleich­strom-Übertragung (HGÜ) von Schleswig-Holstein über Nordrhein-Westfalen nach Baden-Württemberg zu errichten. Nach derzeitigem Stand der Prüfung sieht die Bundesnetzagentur die HGÜ-Verbindung jedoch nur zwischen Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen als erforderlich an. Darüber hinaus sollen herkömmliche Wechselstromverbindungen verstärkt oder neu er­richtet werden.

Offshore-Anbindungssysteme

Der NEP 2019-2030 umfasst erstmalig die Planung der Offshore-Anbindungs­systeme und ersetzt insoweit den bisherigen Offshore-Netzentwicklungsplan (O-NEP). Dabei legt er die Festlegungen des Flächenentwicklungs­plans (FEP) zugrunde. Der NEP ermittelt nach den Vor­gaben des FEP die erforderlichen Offshore-Anbindungs­systeme einschließlich der jeweiligen Inbetriebnahme­jahre und land­seitigen Netzverknüpfungs­punkte. Für die Anbindung von Offshore­windparks sieht die Bundes­netz­agentur je nach Szenario zwischen 8 und 9 weitere Anbindungs­systeme in Nord- und Ostsee bis zum Jahr 2030 als erforderlich an.

Strategische Umweltprüfung

Vorschau Web-GISIn einer interaktiven Kartenanwendung zur Strategischen Umweltprüfung können Sie sich die geprüften Strecken und deren Alternativen anzeigen lassen.

Im Ent­wurf des Umwelt­berichts ermittelt, be­schreibt und be­wertet die Bundes­netz­agentur die vor­aus­sichtlichen Umwelt­auswirkungen der Netzausbau­projekte. Die Be­wertungs­methode wurde weiter­entwickelt und berücksichtigt nun unter anderem, ob es sich um eine Netz­verstärkung oder einen Neubau handelt. Im Umwelt­bericht werden auch Alternativen zu einzelnen Maß­nahmen bewertet und mit­einander ver­glichen. Die vor­läufigen Ergebnisse der Strategischen Umwelt­prüfung hat die Bundes­netz­agentur in einer Karten­anwendung (Web GIS) aufbereitet.

Öffentlichkeitsbeteiligung bis 16. Oktober 2019

Nutzen Sie unser Online-Formular für Ihre Stellungnahme!

Sie können bis zum 16. Okto­ber 2019 zu den Ent­würfen des Umwelt­berichts und des NEP Stellung nehmen. Bitte nutzen Sie dafür vorzugs­weise unser Onlineformular.

Alternativ sind auch Stellung­nahmen per Post möglich an die Bundes­netz­agentur, Stichwort: Netzentwicklungs­plan/Umweltbericht, Postfach 80 01, 53105 Bonn, sowie per E-Mail an nep-ub-2019-2030@bnetza.de.

Die Bundesnetzagentur wird im Anschluss an die Konsultation die Stellungnahmen von Behörden ver­öffentlichen, sofern diese einer Publikation nicht wider­sprochen haben. Sonstige Stellungnahmen werden nur veröffentlicht, wenn ihre Verfasser einer vollständigen Veröffentlichung ausdrücklich zugestimmt haben. Eingangs­bestätigungen versendet die Bundesnetzagentur nicht.

Informationstage

Begleitend zur Konsultation sucht die Bundesnetzagentur bei drei Informations­veranstaltungen den Dialog mit der Öffentlichkeit über die Not­wendig­keit des Stromnetz­ausbaus. An drei Informationstagen in Münster, Regensburg und Erfurt konnten Sich Interessierte über den Stand der Prüfungen informieren und mit Vertretern der Bundes­netzagentur ins Gespräch kommen.

Zeitleiste

4. Februar – 4. März 2019

Die Übertragungs­netzbetreiber 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW ver­öffentlichen auf Basis des Szenariorahmens 2019–2030 den ersten Entwurf des Netz­entwicklungs­plans Strom 2030 und konsultieren die Öffentlichkeit.

11. April 2019

Die Bundesnetzagentur legt den Untersuchungs­rahmen für die SUP fest. Die Methodik wurde im Vergleich zu den Vorjahren grundlegend überarbeitet.

15. April 2019

Nach inhaltlicher Prüfung von 906 eingegangenen Stellung­nahmen schließen die ÜNB die Überarbeitung des ersten NEP-Entwurfs ab und übergeben der Bundes­netzagentur ihren zweiten Entwurf.

6. August – 16. Oktober 2019

Die Bundesnetzagentur veröffentlicht ihre vor­läufigen Prüfungsergebnisse sowie den Entwurf eines Umwelt­berichts. Die Öffentlichkeit ist zur Stellungnahme auf­gefordert. Zudem finden Informationstage in Münster, Regensburg und Erfurt statt.