Fragen und Antworten

Sie benötigen weitere Informationen zum Thema Stromnetzausbau? Auf den folgenden Seiten beantworten wir die häufigsten Fragen aus den Bereichen Allgemeines, Umwelt und Technik. Falls Ihr Anliegen noch nicht dabei ist, wenden Sie sich bitte an info@netzausbau.de.

Fragen & Antworten-Symbol. Im Hintergrund Menschen im Gespräch. Foto: Bundesnetzagentur

Allgemeines

Warum ist der Netzausbau notwendig?

Gründe für den gestiegenen Ausbaubedarf sind unter anderem der Umstieg auf erneuerbare Energien, das Ziel einer hohen Versorgungssicherheit und die Verwirklichung des europäischen Binnenmarkts.

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Warum Netzausbau?

Was sind die fünf Schritte des Netzausbaus?

Die Planung des künftigen Höchstspannungsnetzes läuft in fünf aufeinander aufbauenden Verfahrensschritten ab. Dies sind der Szenariorahmen, die Netzentwicklungspläne, der Bundesbedarfsplan, die Bundesfachplanung beziehungsweise Raumordnung und die Planfeststellung.

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Fünf Schritte

Wie wird der Bedarf an Stromleitungen ermittelt?

Mit den Neuregelungen im Energiewirtschaftsgesetz im Jahr 2011 wurde ein mehrstufiges Verfahren eingeführt, um den zukünftigen Bedarf an Höchst­spannungsleitungen zu ermitteln. Es beginnt alle zwei Jahre mit dem Erstellen eines sogenannten Szenariorahmens. Der genehmigte Szenariorahmen dient als Grundlage für die Netzentwicklungspläne, die alle Ausbaumaßnahmen enthalten, die für einen sicheren und zuverlässigen Betrieb des Höchstspannungs­stromnetzes erforderlich sind.

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Fünf Schritte

Was ist der Bundesbedarfsplan?

Der Bundesbedarfsplan ist die Anlage zum Bundesbedarfsplangesetz. Er listet die geplanten Vorhaben im Höchstspannungsnetz auf und stellt ihre energiewirtschaftliche Notwendigkeit sowie den vordringlichen Bedarf verbindlich fest.

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Bundesbedarfsplan

Was kostet der Netzausbau?

Die genauen Kosten des Ausbaus des Übertragungsnetzes sind derzeit schwer zu prognostizieren. Aus den Angaben der Netzbetreiber ergeben sich für die bestätigten Netzentwicklungspläne 2024 Summen von etwa 18 Milliarden Euro für den Netzausbau an Land und etwa 15 Milliarden Euro für den Offshore-Netzausbau. Darin enthalten sind allerdings noch keine Mehrkosten für eine mögliche Erdverkabelung an Land. Je nach den genauen Trassenverläufen können die tatsächlichen Summen mehr oder weniger stark von diesen Angaben abweichen.

Gezahlt werden die Kosten von den Verbrauchern über die Netzentgelte, die Teil des Strompreises sind. Dieser enthält aber auch noch andere Umlagen, Abgaben und Steuern sowie natürlich die Erzeugungskosten. Wie sich der Netzausbau auf den Strompreis auswirkt, lässt sich nicht genau vorhersagen.

Was ist das NOVA-Prinzip?

Die Abkürzung NOVA steht für Netz-Optimierung vor Verstärkung vor Ausbau. Das bedeutet, dass zunächst versucht wird, den aktuellen Netzbetrieb zu optimieren, zum Beispiel durch höhere Belastung bei kühleren Außentemperaturen. Danach geht man daran, die vorhandenen Leitungen zu verstärken. Nur, wenn beides nicht ausreicht, wird das Netz mit neuen Leitungen ausgebaut.

Was ist ein Vorhabenträger?

Ein Vorhabenträger ist ein Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB), der für ein bestimmtes Ausbauvorhaben verantwortlich ist. In Deutschland sind derzeit vier ÜNB tätig: 50Hertz Transmission GmbH, Amprion GmbH, TenneT TSO GmbH und Transnet BW GmbH. Diese Unternehmen sind ausschließlich für den Stromtransport zuständig. Sie sind weder Stromerzeuger noch verkaufen sie Strom an die Verbraucher.

Übrigens: Der Vorhabenträger wird nicht von der Bundesnetzagentur beauftragt, das Netz auszubauen. Diese Verpflichtung ergibt sich aus dem Energiewirtschaftsgesetz.

Wer sind die Träger öffentlicher Belange?

Ganz allgemein gesagt nehmen Träger öffentlicher Belange (TöB) öffentliche Aufgaben wahr. Danach ist jede Behörde ein TöB. Auch Bahn-, Versorgungs- und Infrastrukturunternehmen können dazugehören, sofern sie öffentliche Aufgaben erfüllen.

Abhängig vom jeweiligen Detaillierungsgrad der Planung haben TöB, die in ihrem Bereich von Netzausbau-Planungen berührt werden, bei der Bedarfsermittlung, der Bundesfachplanung und der Planfeststellung umfangreiche Beteiligungsrechte. Zu dieser Gruppe können unter anderem die für Raumordnung und Landesplanung zuständigen Landesministerien, Regierungspräsidien, Kreise und kreisfreien Städte gehören. Weitere Beispiele für betroffene TöB sind Umwelt-, Gesundheits-, Flurbereinigungs-, Wasserwirtschafts-, Straßenbau- und Bergbehörden. Eine abschließende Aufzählung enthält das NABEG jedoch nicht.

Wofür steht EnLAG?

EnLAG ist die Abkürzung für das Gesetz zum Ausbau von Energieleitungen. Dieses Gesetz haben der Bundestag und der Bundesrat im Jahr 2009 beschlossen, um den benötigten Netzausbau wesentlich zu vereinfachen und zu beschleunigen. Das Energieleitungsausbaugesetz enthält eine Liste von 22 Vorhaben, die vordringlich realisiert werden sollen. In der ersten Fassung waren es noch 24 Vorhaben, zwei davon wurden aber zwischenzeitlich als nicht mehr notwendig erachtet und im Gesetzgebungsverfahren aufgehoben. Die Zuständigkeit für die EnLAG-Vorhaben liegt bei den jeweiligen Bundesländern. Im neueren Netzentwicklungsplan gehören die 22 Vorhaben zum sogenannten Startnetz, auf das die weiteren Planungen aufsetzen.

Gibt es eine Entschädigung, wenn das eigene Grundstück vom Netzausbau betroffen ist?

In der Regel ist es so, dass ein Netzbetreiber keine Grundstücke erwirbt, um darauf eine Leitung zu errichten. Dennoch muss er natürlich fremdes Eigentum in Anspruch nehmen – zum Beispiel, um eine neue Freileitung darüber zu spannen. Dafür wird im Grundbuch eine sogenannte beschränkt persönliche Dienstbarkeit zugunsten des jeweiligen Netzbetreibers eingetragen. Damit kann dieser sein Vorhaben durchführen, das Grundstück bleibt weiterhin im Eigentum des ursprünglichen Besitzers. Wann immer möglich, sollen sich die Parteien gütlich darüber einigen.

Um den nötigen Grundbucheintrag machen zu können, versucht der Netzbetreiber, mit dem Grundstückseigentümer einen Vertrag zu schließen. Darin kann auch eine Entschädigung für das Überspannen, das Errichten eines Masts und den Grundbucheintrag selbst vereinbart werden. Wie hoch diese Entschädigung ausfällt, hängt von den tatsächlichen Einschränkungen für den Eigentümer ab; die Vertragsparteien können dies jedoch zunächst frei verhandeln. Für die Nutzung land- und forstwirtschaftlicher Flächen gibt es Rahmenvereinbarungen, die die Übertragungsnetzbetreiber mit einigen Landwirtschaftsverbänden getroffen haben.

Können sich der Netzbetreiber und der Grundstückseigentümer nicht einigen, so sind ein sogenanntes Besitzeinweisungsverfahren oder ein Enteignungsverfahren möglich. Es erfolgt allerdings in keinem Fall eine vollständige Enteignung, sondern ebenfalls ein Eintrag einer beschränkt persönlichen Dienstbarkeit ins Grundbuch. Für den Grundstückseigentümer gibt es auch in diesem Fall eine Entschädigung, die in einem behördlichen Verfahren festgesetzt wird und in der Regel niedriger ausfällt als bei einer gütlichen Einigung. Die bisherige Rechtsprechung hat für den Fall ein einmaliges Entgelt von zehn bis zwanzig Prozent des jeweiligen Verkehrswerts der betroffenen Fläche als angemessen anerkannt. Deutlich höhere Entschädigungssätze ergeben sich beispielsweise für Mastflächen auf Basis von Gutachten. Für Erdkabel auf 380-kV-Ebene fordert der Bauernverband wegen des stärkeren Eingriffs in die Bodenstruktur eine höhere Entschädigung als bei Freileitungen.

Darüber hinaus kann es auch Ansprüche auf Schadenersatz geben. Sie entstehen, wenn der Netzbetreiber beim Bau oder bei der Wartung einer Leitung fremdes Eigentum beschädigt. Solche Schäden können etwa bei landwirtschaftlichen Kulturen anfallen, wenn die Flächen vor der Ernte befahren werden müssen.

Werden bereits vorhandene Infrastrukturen wie Autobahnen bei der Planung berücksichtigt?

Ja, das geschieht vor allem mit der sogenannten Bündelung. Dabei werden neue Leitungen parallel zur bestehenden (linearen) Infrastruktur geführt. Zu dieser Infrastruktur zählen insbesondere Autobahnen, Bundesstraßen, Bahnlinien und bereits bestehende Hoch- und Höchstspannungsleitungen. So sollen Belastungen durch den Netzausbau (zum Beispiel für das Landschafts­bild) minimiert werden. Die Vor- und Nachteile einer Bündelung hängen jedoch immer von der allgemeinen Vorbelastung der Gebiete ab und müssen in jedem Einzelfall aufs Neue untersucht werden.

Werden Leitungen gebaut, um aus Braunkohle erzeugten Strom zu transportieren?

Der Szenariorahmen, der die Grundlage der bisherigen Netzausbau-Planungen bildet, sieht keinen Kapazitäts-Ausbau bei der Braunkohle-Verstromung vor. Im Gegenteil nimmt die Bundesnetzagentur bundesweit aktuell einen Rückgang an – von 21,2 auf 15,4 Gigawatt zwischen 2012 und 2024. Somit sind auch keine zusätzlichen Leitungen zur Anbindung von Braunkohlekraftwerken erforderlich; die bereits bestehenden kommen mit dem derzeitigen Übertragungsnetz aus. Gleichzeitig geht der Szenariorahmen von einem Wachstum der Erzeugungskapazität bei Windkraftanlagen an Land von 31 auf 55 Gigawatt aus. Wesentlicher Treiber des Netzausbaus sind also nicht die konventionellen Kraftwerke, sondern der umfangreiche Ausbau im Bereich der erneuerbaren Energien.

Wie viel Strom Kohlekraftwerke immer noch ins Netz einspeisen, hängt von den Bedingungen am Markt ab. Dabei spielen zum Beispiel die derzeit niedrigen Kosten für CO2-Zertifikate eine Rolle. Bei ihren Netzberechnungen muss die Bundesnetzagentur diese Bedingungen als gegeben hinnehmen und darf sie nicht eigenmächtig ändern. Fazit: Wegen des marktgegebenen Energiemix werden die neuen Leitungen auch Braunkohlestrom transportieren. Sie werden aber nicht für die Braunkohle gebaut.

Brauchen die großen Strommasten auch ein Leuchtsignal, wie man es von Windrädern kennt?

Leuchtsignale sind unter gewissen Voraussetzungen notwendig, um die Sicherheit des Flugverkehrs zu gewährleisten. Ob und wie ein Bauwerk gekenn­zeichnet werden muss, geht aus der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Kenn­zeichnung von Luft­fahrthindernissen hervor.

Innerhalb dicht besiedelter Gebiete müssen Bau­werke ab einer Höhe von 150 Metern und außer­halb dicht besiedelter Gebiete ab einer Höhe von 100 Metern gekennzeichnet werden. In Flug­platz­bereichen gibt es Sonder-Vorschriften.

Höchstspannungsmasten sind im Regelfall aber nicht höher als 80 Meter und müssen daher nicht mit einem Leuchtsignal ausgestattet werden.

Verfahren zur Trassenfindung

Wofür steht NABEG?

NABEG ist die Abkürzung für das Netzausbaubeschleunigungsgesetz Übertragungsnetz. Das NABEG legt unter anderem die Rahmenbedingungen für die Bundesfachplanung fest und ergänzt die Planfeststellung beim Netzausbau. Der Bundestag hat es 2011 beschlossen, um die Dauer der Planungs- und Genehmigungsverfahren für länderübergreifende und grenzüberschreitende Höchstspannungsleitungen zu reduzieren. Zudem soll es die Akzeptanz des Leitungsbaus bei den beteiligten und betroffenen Personen und Vereinigungen fördern, zum Beispiel durch frühzeitiges Einbeziehen der Öffentlichkeit in den Prozess.

Was ist die Bundesfachplanung?

n der Bundesfachplanung geht es darum, einen Trassenkorridor von etwa 500 bis 1.000 Metern Breite zu bestimmen, durch den später einmal die Leitung verlaufen soll. Die Bundesfachplanung gibt es im Wesentlichen bei länderübergreifenden und grenzüberschreitenden Vorhaben, die als solche im Bundesbedarfsplangesetz gekennzeichnet sind. Sie ersetzt bei diesen Vorhaben das sogenannte Raumordnungsverfahren, das ansonsten angewandt wird.

Bei der Planung der Trassenkorridore müssen vor allem die Belange der Menschen in der Region, der Naturschutz und das Landschaftsbild sowie technische und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigt werden. Zuständige Behörde für die Bundesfachplanung ist die Bundesnetzagentur. Durch diese bundeseinheitliche Zuständigkeit soll der nötige Stromnetzausbau beschleunigt werden.

Weitere Informationen finden Sie in der Broschüre "Bundesfachplanung", die Sie in unserer Mediathek finden.

Was ist ein Raumordnungsverfahren?

Ein Raumordnungsverfahren hat die Aufgabe, Einzelvorhaben verschiedener Planungsträger in Bezug auf die geplante Nutzung aufeinander abzustimmen und zu beurteilen, inwieweit diese mit den Zielen und Grundsätzen der Raumordnung (z.B. der realen Nutzung oder für eine bestimmte Nutzung freizuhaltende Gebiete) vereinbar sind. Neben ökologischen Gesichtspunkten spielen dabei auch ökonomische, kulturelle und soziale Aspekte eine Rolle. Zuständig für diese Verfahren sind die jeweiligen Landesbehörden.

Raumordnungs- und Bundesfachplanungsverfahren haben eine ähnliche Zielsetzung, aber auch einige wichtige Unterschiede. Beispielsweise muss ein Raumordnungsverfahren im Gegensatz zur Bundesfachplanung nicht immer zwingend durchgeführt werden. Auch kann vom Ergebnis der Raumordnung in der Planfeststellung wieder abgewichen werden; die Trassenkorridore der Bundesfachplanung sind dagegen verbindlich.

Ein weiterer Unterschied: Die gesetzlich verankerte frühzeitige Einbeziehung der Öffentlichkeit in Form einer öffentlichen Antragskonferenz gibt es bei der Raumordnung in dieser Form nicht. Außerdem ist die Bundesnetzagentur bei der Bundesfachplanung – anders als die Landesbehörden beim Raumordnungsverfahren – nicht an den Antrag des Vorhabenträgers gebunden.

Was ist eine Planfeststellung?

Die Planfeststellung ist die letzte Stufe des Planungs- und Zulassungsprozesses bei Netzausbau- und Umbaumaßnahmen. Sie schließt sich der Bundesfachplanung oder gegebenenfalls dem Raumordnungsverfahren an. Im Planfeststellungsverfahren wird unter Beteiligung der Öffentlichkeit und der betroffenen Behörden über die flächenscharfe, konkrete Ausgestaltung der Ausbaumaßnahmen entschieden. Festgelegt werden unter anderem der konkrete Verlauf der Leitung und die konkrete technische Ausführung.

Mehr Informationen zur Planfeststellung

Was versteht man unter einem Trassenkorridor?

In der Bundesfachplanung wird ein Gebietsstreifen ausgewiesen, in dem die künftige Stromtrasse verlaufen soll. Innerhalb dieses sogenannten Trassenkorridors wird die Umwelt- und Raumverträglichkeit einer Stromleitung festgestellt. Der genaue Verlauf der Trasse ist Gegenstand des abschließenden Planfeststellungsverfahrens. Der Trassenkorridor ist etwa 500 bis 1.000 Meter breit, die finale Trasse wird aber deutlich weniger Raum in Anspruch nehmen.

Werden in der Bundesfachplanung Alternativen geprüft?

Ja, zur Bundesfachplanung gehört das Prüfen von alternativen Trassenkorridoren. Der Antrag der Vorhabenträger muss daher räumliche Alternativen enthalten und darlegen, warum der Vorschlagskorridor den Vorzug erhalten soll. Im Verfahren können von Dritten weitere räumliche Alternativen eingebracht werden.

Beteiligungsmöglichkeiten des Einzelnen

Welche Beteiligungsmöglichkeiten gibt es bei der Bedarfsermittlung?

Jedes Dokument der Bedarfsermittlung ist vor seiner Finalisierung mehrere Wochen lang öffentlich einsehbar. Alle Äußerungen, die während der sogenannten Konsultation eingehen, müssen geprüft und gegebenenfalls bei der Überarbeitung berücksichtigt werden.

Die erste Konsultation betrifft den Entwurf des Szenariorahmens, den die Bundesnetzagentur veröffentlicht. Zu den Netzentwicklungsplänen gibt es sogar zwei Konsultationen: zunächst eine seitens der Übertragungsnetzbetreiber und (wenn die überarbeiteten Entwürfe vorliegen) eine seitens der Bundesnetzagentur. Die Vorhaben aus dem Netzentwicklungsplan werden von der Bundesnetzagentur auf ihre möglichen Umweltauswirkungen untersucht. Wie diese Untersuchung (die Strategische Umweltprüfung) auszusehen hat, berät die Bundesnetzagentur vorab mit Behördenvertretern, Sachverständigen und Umweltverbänden beim sogenannten Scoping. Die Ergebnisse der Strategischen Umweltprüfung bilden den Umweltbericht, den die Bundesnetzagentur gemeinsam mit den Netzentwicklungsplänen zur Konsultation vorlegt.

Weiterführende Informationen:

Bedarfsermittlung

Welche Beteiligungsmöglichkeiten gibt es in der Bundesfachplanung?

Die erste wichtige Beteiligungsmöglichkeit ist die öffentliche Antragskonferenz. Diese führt die Bundesnetzagentur durch, kurz nachdem der Vorhabenträger seinen Antrag auf Bundesfachplanung eingereicht hat. Während der Konferenz werden Gegenstand und Umfang der Bundesfachplanung erörtert. Die Bundesnetzagentur sammelt dabei Informationen zur Umwelt- und Raumverträglichkeit des Vorschlagskorridors und dessen Alternativen. Neben der Umweltverträglichkeit geht es auch darum, ob die Trassenkorridore mit den Erfordernissen der Raumordnung der betroffenen Länder übereinstimmen oder wie eine Übereinstimmung hergestellt werden kann. Die Teilnehmer der Konferenz können auch Vorschläge für alternative Verläufe des Trassenkorridors einbringen.

Nach der Antragskonferenz wird in einem Untersuchungsrahmen festgelegt, welche Unterlagen und Gutachten der Vorhabenträger noch vorlegen muss. Die über mehrere Monate erarbeiteten vollständigen Unterlagen legt die Bundesnetzagentur für die Dauer eines Monats in ihrem Sitz in Bonn und an weiteren geeigneten Standorten aus. Dies kündigt die Bundesnetzagentur rechtzeitig in örtlichen Tageszeitungen an. Zeitgleich werden sie im Internet veröffentlicht. Zu diesen Dokumenten können sich Träger öffentlicher Belange und Vereinigungen äußern, aber auch einzelne Bürger.

Daraufhin gibt es einen Erörterungstermin. Dabei erörtert die Bundesnetzagentur die rechtzeitig erhobenen Einwendungen mit dem Vorhabenträger und denjenigen, die sie erhoben haben. Im Unterschied zur Antragskonferenz sind bei diesem Termin nur diejenigen beteiligt, die fristgerecht Einwendungen erhoben haben.

Weitere Informationen finden Sie in der Broschüre "Beteiligung", die Sie in unserer Mediathek finden.

Weiterführende Informationen:

Bundesfachplanung / Raumordnung

Broschüre Beteiligung

Umwelt und Technik

Wofür steht HGÜ?

Die Abkürzung HGÜ steht für Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung. Von Hochspannung spricht der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) bei mindestens 60 Kilovolt (= 60.000 Volt). Gleichstrom fließt ständig in dieselbe Richtung – darin unterscheidet er sich vom Wechselstrom, der seine Flussrichtung in regelmäßigen Zeitabständen wechselt.

Sind die elektrischen und magnetischen Felder von Höchstspannungsleitungen gesundheitsgefährdend?

Grundsätzlich ist es möglich, dass elektrische und magnetische Felder im menschlichen Körper zusätzliche Ströme erzeugen. Wenn diese Ströme eine bestimmte Schwelle übersteigen, können biologische Wirkungen auftreten. Diese können vom Aufladen der Körperbehaarung bis zur Stimulation von Nerven und Muskeln reichen.

Aus diesem Grund müssen beim Betrieb von Stromleitungen Grenzwerte eingehalten werden. Diese sind so festgelegt, dass die nachgewiesenen gesundheitsrelevanten Wirkungen sicher vermieden werden – auch bei empfindlichen Personengruppen wie Kindern, kranken und alten Menschen.

Konkrete gesundheitliche Auswirkungen von Feldstärken unterhalb der Grenzwerte sind bislang wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Zu diesem Ergebnis kommt unter anderem das Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit (femu) der RWTH Aachen. Das Zentrum hat im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz zu diesem Thema bislang mehr als 20.000 Publikationen gesammelt, aufbereitet und öffentlich im EMF-Portal zur Verfügung gestellt.

Das femu hat den wissenschaftlichen Kenntnisstand für die Bundesnetzagentur zusammengefasst:

Das Bundesamt für Strahlenschutz erklärt in einem Animationsfilm mögliche Belastungen durch Stromleitungen, die gesundheitlichen Auswirkungen elektrischer und magnetischer Felder sowie die Schutzmaßnahmen.

Weiterführende Informationen:

Welche Grenzwerte gelten für elektrische und magnetische Felder und wer bestimmt sie?

Welche Grenzwerte gelten für elektrische und magnetische Felder und wer bestimmt sie?

Die Grenzwerte sind in der 26. Bundes-Immissionsschutzverordnung (26. BImSchV) festgelegt. Diese Verordnung befasst sich mit der Vorsorge und dem Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder.

Die 26. BImSchV schreibt für das Wechselstromnetz mit einer Frequenz von 50 Hertz (Hz) einen Immissionsgrenzwert der magnetischen Flussdichte von 100 Mikrotesla vor. Dieser gilt für alle Orte, an denen sich Menschen nicht nur vorübergehend aufhalten. Der Grenzwert für die elektrische Feldstärke beträgt fünf Kilovolt pro Meter. Für Gleichstromanlagen (0 Hz) gilt ein Grenzwert der magnetischen Flussdichte von 500 Mikrotesla.

Die Grenzwerte basieren auf aktuell gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sie sind so festgelegt, dass die nachgewiesenen gesundheitsrelevanten Wirkungen sicher vermieden werden. Verschiedene Behörden und unabhängige Institutionen überprüfen die Grenzwerte in regelmäßigen Abständen. Zu ihnen gehören beispielsweise die Strahlenschutzkommission (SSK), das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Internationale Krebsforschungszentrum (IARC) und die Internationale Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP).

Die 26. BImSchV wurde im Jahr 2013 novelliert und an den aktuellen Stand der Wissenschaft angepasst. Neu eingeführt wurde dabei eine Minimierungspflicht. Diese soll sicherstellen, dass bei der Errichtung und bei wesentlichen Änderungen von Gleich- und Wechselstromanlagen alle technischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder zu minimieren.

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Sind die elektrischen und magnetischen Felder von Höchstspannungsleitungen gesundheitsgefährdend?

Gibt es Regelungen für den Abstand zwischen Höchstspannungsleitungen und Wohnhäusern?

Bundesweite gesetzliche Mindestabstände gibt es nicht. Allerdings müssen Stromleitungen so weit von Wohngebäuden entfernt sein, dass die geltenden Grenzwerte für elektrische Feldstärke und magnetische Flussdichte eingehalten werden. Vorhaben, die diese überschreiten, sind grundsätzlich nicht genehmigungsfähig. Die Grenzwerte müssen auch im laufenden Betrieb eingehalten werden.

Daneben spielen auch die Regelungen der einzelnen Länder eine Rolle. So sieht beispielsweise das niedersächsische Landes-Raumordnungs­programm Mindestabstände vor, die allerdings in erster Linie dem Schutz und Erhalt des Wohnumfelds dienen und nicht dem vorsorgenden Gesundheitsschutz. Neue Höchstspannungs-Freileitungen sollen in Niedersachsen demnach einen Abstand von mindestens 200 Metern zu Wohngebäuden einhalten. Im Geltungsbereich eines Bebauungsplans oder im unbeplanten Innenbereich einer Gemeinde beträgt der Mindestabstand sogar 400 Meter. Dort gilt diese Regelung auch für vergleichbar sensible Gebäude wie Schulen, Kindertagesstätten und Krankenhäuser. Zum Innenbereich gehören Gebiete mit zusammenhängender Bebauung – was als solche gilt, kann je nach den örtlichen Gegebenheiten variieren. Die genannten Abstände können allerdings auch unterschritten werden. Dies ist zum Beispiel möglich, wenn keine geeignete zulässige Trassenvariante möglich ist, die die Mindestabstände einhält. Gleichstromvorhaben mit Erdkabelvorrang sind bei einem Abstand von weniger als 400 Metern zum Innenbereich oder 200 Metern zum Außenbereich eines Wohngebiets in diesen Abschnitten immer als Erdkabel zu realisieren.

Unabhängig von den Mindestabständen sind die sogenannten Schutzstreifen zu sehen. Diese dienen dazu, Überschläge und Verletzungen im unmittelbaren Umfeld von Hochspannungsleitungen zu verhindern. Geregelt wird dies in der Norm DIN EN 50341, die Mindestabstände innerhalb der Freileitung und zu Bauwerken, Infrastruktureinrichtungen und anderen Objekten vorschreibt.

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Sind die elektrischen und magnetischen Felder von Höchstspannungsleitungen gesundheitsgefährdend?

Welche Grenzwerte gelten für elektrische und magnetische Felder und wer bestimmt sie?

Erdkabel

Können neue Leitungen auch als Erdkabel im Boden verlegt werden?

Grundsätzlich muss man zwischen Gleichstrom- und Wechselstromleitungen unterscheiden.

Mit den Ende 2015 verabschiedeten Änderungen des Bundesbedarfsplangesetzes hat der Gesetzgeber den Erdkabelvorrang für Gleichstromleitungen eingeführt. Gleichstromleitungen werden seitdem vorrangig als Erdkabel statt als Freileitung realisiert. Zuvor hatten Freileitungen den Vorrang und Erdkabel waren die Ausnahme. Freileitungen können nun nur noch ausnahmsweise aus Natur­schutz­gründen, bei der Nutzung von Bestandstrassen und zum Beispiel auf Verlangen betroffener Kommunen in Betracht kommen, soweit nicht der generelle Ausschluss für Freileitungen in Siedlungsnähe greift. Bei der Nutzung von Bestandstrassen kommt eine Freileitung jedoch nur dann in Betracht, wenn keine zusätzlichen erheblichen Umweltauswirkungen zu erwarten sind. Ausgenommen vom Erdkabelvorrang für Gleichstromleitungen ist das Gleichstrom-Vorhaben 2 (Ultranet).

Für Wechselstromleitungen sieht das verabschiedete Gesetz eine maßvolle Erweiterung der bestehenden Möglichkeiten der Teilverkabelung vor. Hier bleibt es zwar aus technischen Gründen beim Freileitungsvorrang. Mit zusätzlichen Pilot­projekten für Erdkabel sollen aber auch in diesem Bereich Erfahrungen mit der Erdverkabelung gesammelt und deren technische Entwicklung vorangetrieben werden. Neben den bisher vorgesehenen Pilot­projekten wird die Teilverkabelung bei weiteren Pilot­projekten ermöglicht und der Einsatz von Erdkabeln kommt hierbei nicht nur in Siedlungsnähe, sondern nun auch aus Naturschutzgründen und bei der Querung von großen Bundeswasserstraßen wie Rhein oder Elbe in Betracht.

Die Kosten für eine Erdverkabelung variieren stark. Sie hängen ab von der gewählten Technik, der Spannungsebene, den Bodenbeschaffenheiten und anderen individuellen Rahmenbedingungen. Im Vergleich zu Freileitungen sind Erdkabel in der Regel teurer. Diese Mehrkosten werden von den Netznutzern – also von Wirtschaft und Verbrauchern – über die Netzentgelte getragen.

Weiterführende Informationen:

Warum gilt der Erdkabelvorrang nicht für das Gleichstrom-Vorhaben Ultranet?

Positionspapier Erdkabel

Warum gilt der Erdkabelvorrang nicht für das Gleichstrom-Vorhaben Ultranet?

Für das Gleichstrom-Vorhaben 2 (Ultranet) können nach den Plänen der Vorhabenträger in erheblichem Umfang bestehende, bereits zugelassene oder weit im Genehmigungsverfahren fortgeschrittene Freileitungen genutzt werden. Voraussichtlich sind für das Vorhaben also nur sehr geringe Baumaßnahmen notwendig. Bei Ultranet sind durch Bestandstrassen umfangreiche Bündelungsmöglichkeiten gegeben, während es sich bei den anderen Gleichstromvorhaben aus dem Bundesbedarfsplangesetz um neu zu planende Verbindungen handelt. Der Gesetzgeber hat daher entschieden, das Gleichstrom-Vorhaben Ultranet nicht als Erdkabelprojekt zu kennzeichnen.

Zudem sollen die Leitungen im Falle der Nichtverfügbarkeit des Gleichstrombetriebs (z.B. bei Ausfall eines Konverters) auch mit Wechselstrom betrieben werden (Redundanzbetrieb). Eine solche Möglichkeit würde bei einer Erdverkabelung nicht mehr oder mit sehr viel höherem Aufwand bestehen, da die Erdkabelsysteme für Gleich- und Wechselstrom nicht umgekehrt nutzbar sind. In diesem Fall müssten jeweils Erdkabelsysteme für Gleichstrom und Wechselstrom errichtet werden.

Gibt es auch bei geplanten Erdkabel-Leitungen alternative Trassenkorridorverläufe im Bundesfachplanungs-Antrag?

Ja. Unabhängig davon, ob eine Leitung als Erdkabel oder Freileitung geplant wird, müssen die Übertragungsnetzbetreiber in ihrem Antrag auf Bundesfachplanung auch alternative Trassenkorridore darstellen. Aus dem Antrag muss hervorgehen, weshalb der Übertragungsnetzbetreiber seinen vorgeschlagenen Trassenkorridor für besser geeignet hält als die Alternativen.

Muss eine Leitung mit Erdkabelvorrang genau entlang der Luftlinie verlaufen oder was bedeutet das Gebot der Geradlinigkeit?

Trassenkorridore sollen möglichst geradlinig verlaufen, also sich an der Luftlinie orientieren. So kann erreicht werden, dass die zu errichtende Stromleitung möglichst kurz wird und dadurch weniger Kosten anfallen als für eine längere Leitung. Außerdem kann ein möglichst geradliniger Verlauf des Trassenkorridors dazu beitragen, dass weniger Grundstückseigentümer betroffen und die Eingriffe in Natur und Landschaft reduziert werden.

In der Abwägung zwischen den betroffenen Belangen kommt dem Gebot der Geradlinigkeit ein besonderes Gewicht zu. Es gibt aber auch bedeutende Belange, die gegen einen geradlinigen Verlauf sprechen können, zum Beispiel Siedlungen.

Wie unterscheidet sich die Trassenkorridor-Findung bei Erdkabeln von der bei Freileitungen?

Die methodische Vorgehensweise unterscheidet sich nicht grundlegend. Unterschiede für die Planung gibt es aber neben technischen Parametern beim rechtlichen Rahmen und bei der Beurteilung der Betroffenheit der Schutzgüter wie dem Boden. Der ist beispielsweise von Erdkabeln deutlich stärker betroffen als von Freileitungen. Bei Erdkabeln hat das Gebot der Geradlinigkeit eine größere Bedeutung. Der Bündelung kommt wiederum bei Freileitungen ein größeres Gewicht zu als bei Erdkabeln, da sich durch eine Bündelung bei Erdkabeln weniger Vorteile ergeben als bei Freileitungen.

Weiterführende Informationen:

Muss eine Leitung mit Erdkabelvorrang genau entlang der Luftlinie verlaufen oder was bedeutet das Gebot der Geradlinigkeit?

Wird ein Vorhaben mit Erdkabelvorrang automatisch als Freileitung errichtet, wenn es mit einer anderen Freileitung gebündelt werden kann?

Nein. Bei Vorhaben mit Erdkabelvorrang sind Freileitungsabschnitte nur in wenigen, gesetzlich festgelegten Ausnahmen möglich. Das kann etwa die Bündelung mit einer weiteren, bereits bestehenden Freileitung sein - allerdings nur in den wenigen Fällen, in denen dadurch keine erheblichen Umweltauswirkungen zu erwarten sind. Eine erhebliche Umweltauswirkung kann zum Beispiel vorliegen, wenn eine Erhöhung der bestehenden Masten notwendig ist.

Gibt es eine Grenze, ab der eine Freileitung vorzuziehen ist, weil sie wirtschaftlicher zu errichten ist als ein Erdkabel?

Nein. Allein aus Gründen der Wirtschaftlichkeit kommt kein Einsatz einer Freileitung in Frage. Ein Vorhaben mit Erdkabel-Vorrang kann nur auf einzelnen Abschnitten als Freileitung errichtet werden, wenn die gesetzlich festgelegten Ausnahmen vorliegen. Aber auch, wenn die Ausnahmeregelungen greifen, kann die Leitung nur auf „technisch und wirtschaftlich effizienten“ Abschnitten als Freileitung verwirklicht werden.

Sind für Erdkabel feste Abstände zu Siedlungen einzuhalten?

Für Erdkabel gibt es keine festen Abstandsregelungen zur Wohnbebauung. Die gesetzlichen Grenzwerte für elektrische und magnetische Felder müssen aber auch bei Erdkabeln immer eingehalten werden.

Bis wann können Gebietskörperschaften wie Gemeinden die Prüfung einer Freileitung verlangen?

Gebietskörperschaften, auf deren Gebiet ein Trassenkorridor voraussichtlich verlaufen wird, können in der Antragskonferenz verlangen, dass der Einsatz einer Freileitung geprüft wird. Es kann aber auch hilfreich sein, das Verlangen möglichst frühzeitig anzukündigen, zum Beispiel während der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung der Vorhabenträger.

Kann man verhindern, dass der Boden bei einer Verlegung von Erdkabeln zu sehr verdichtet wird?

Um zu verhindern, dass sich der Boden zu sehr verdichtet, kam zum Beispiel beim Erdkabel-Pilotprojekt in Raesfeld eine bodenkundliche Baubegleitung zum Einsatz. Die Bodenschichten wurden bei der Entnahme genau analysiert, um nach Verlegung des Erdkabels den Ausgangszustand soweit wie möglich wiederherstellen zu können.

Auch die ordnungsgemäße Einrichtung von Baustraßen wurde kontrolliert. Außerdem hat der Vorhabenträger bei entstandenen Verdichtungen den Boden anschließend mechanisch gelockert. Auch bestimmte Pflanzenarten wie Rotklee können dazu beitragen, die Bodenstruktur nach Abschluss der Bauarbeiten wieder zu verbessern. Welche dieser Maßnahmen zum Einsatz kommen, regelt der Planfeststellungs-Beschluss.

Kann es durch Verlegung von Erdkabeln zu Bodenerosionen kommen?

Wenn die Trasse in der Bauphase von pflanzlichem Bewuchs freigehalten werden muss, erhöht sich das Risiko für Erosionen. Unter Erosion versteht man den Abtrag des Bodens durch Wasser oder Wind. Die natürlichen Bodenfunktionen können durch Erosion irreparabel beeinträchtigt werden. Insbesondere bei Starkniederschlägen, bei Hangneigung und für bestimmte Bodentypen oder Bodengesellschaften erhöht sich das Risiko der Bodenerosion in der Bauphase.

Um Bodenerosion zu verhindern oder zu minimieren, ergreifen die Bauträger bestimmte Maßnahmen. Dazu gehört etwa die sorgfältige Trennung des Bodenaushubs nach Bodenhorizonten. Oft bepflanzen die Bauträger die Flächen auch nach Abschluss der Bauarbeiten wieder.

Wie stark erwärmt sich der Boden über einem Erdkabel? Sind dadurch Ertragseinbußen zu erwarten?

Sind Höchstspannungskabel in Betrieb, geht von ihnen Wärme aus. Wie stark sich der Boden insbesondere an der Bodenoberfläche durch die Erdkabel tatsächlich erwärmt, hängt allerdings von verschiedenen Faktoren ab. Neben der Übertragungstechnologie, der Kabelisolierung und dem Bettungsmaterial spielen auch die Wärmeleitfähigkeit des Bodens sowie die Auslastung des Kabels eine wesentliche Rolle.

Wie sich Wärmeemissionen auf den Boden auswirken, hat der Bodenökologe Prof. Dr. Peter Trüby von der Universität Freiburg im Auftrag der Übertragungsnetzbetreiber in verschiedenen Feldversuchen untersucht. Bodenökologisch seien die Effekte von untergeordneter Relevanz, so sein Fazit. Auch die Befürchtung von Ertragseinbußen in der Landwirtschaft sieht Trüby mit seinen Experimenten widerlegt. Aktuell begleitet er auch den ersten Wechselstrom-Erdkabelpiloten in Raesfeld in Nordrhein-Westfalen: Dort werden nach Verlegung des Erdkabels verschiedene Kulturen angebaut und die Ergebnisse ausgewertet.

Im Vergleich zu Wechselstrom-Erdkabeln erwärmen sich Gleichstrom-Erdkabel im Betrieb deutlich weniger. Die Bundesnetzagentur beobachtet auch hier die weiteren Forschungen.

Wozu dienen die technischen Angaben im Antrag der Übertragungsnetzbetreiber auf Bundesfachplanung?

Die technischen Angaben helfen dabei, die Raum- und Umweltauswirkungen des Vorhabens einzuschätzen. Vor allem an Engstellen erleichtern die Angaben, zu beurteilen, ob der Trassenkorridor für einen späteren Leitungsverlauf geeignet ist. Abschließend festgelegt wird die Technik allerdings nicht in der Bundesfachplanung, sondern erst im folgenden Planfeststellungsverfahren.

Konverter

Wozu werden Konverteranlagen gebraucht?

Elektrische Energie wird in Kraftwerken überwiegend als Wechselstrom erzeugt. Daher fließt in den deutschen und europäischen Stromnetzen überwiegend Wechselstrom. Im Rahmen des Netzausbaus soll jetzt in Deutschland auch die für lange Strecken effizientere Gleichstromtechnik verwendet und somit ins vorhandene Wechselstromnetz integriert werden. Um Gleichstromleitungen mit dem Wechselstromnetz zu verbinden, sind an den Endpunkten Konverteranlagen erforderlich. Ein Konverter wandelt Wechselstrom in Gleichstrom um und umgekehrt.

Eine Konverteranlage besteht im Wesentlichen aus vier Funktionsblöcken: dem Wechselstrom-Anschluss, den Transformatoren, dem Umrichter und schließlich der Gleichstrom-Schaltanlage mit Gleichstrom-Anschlüssen. Im Umrichter – dem Kernstück der Station – findet die Umwandlung des Stroms statt. Der Umrichter besteht aus Transistoren, Dioden, Kondensatoren und Spulen. Da diese Bauteile empfindlich sind, müssen sie in Hallen untergebracht werden. Weil sie unter Hochspannung stehen, müssen mehrere Meter Abstand zum Hallendach, zum Boden und zu den Wänden eingehalten werden. Dies erklärt die Größe des Konverters.

Wie viel Fläche wird für einen Konverter benötigt?

Die Fläche, die für einen Konverter benötigt wird, hängt wesentlich von der jeweiligen Bauart und der Übertragungsleistung der verbundenen Leitung ab. Für das Gleichstrom-Vorhaben Ultranet gehen die Vorhabenträger bei einer Übertragungsleistung von zwei Gigawatt von einer Gesamtfläche von etwa zehn Hektar für die gesamte Anlage aus. Das eigentliche Kernstück der Anlage, die Konverterhalle, nimmt eine deutlich geringere Fläche ein.

Welche Rolle spielt der Konverter in der Bundesfachplanung?

In der Bundesfachplanung entscheidet die Bundesnetzagentur über einen Trassenkorridor für den Bau einer Stromleitung. Bei einem Trassenkorridor handelt es sich um einen Gebietsstreifen von üblicherweise 500 bis 1.000 Metern Breite. Der Konverter wird zwar in diesem Verfahrensschritt nicht genehmigt. Mögliche Standorte für Konverter spielen aber bei Leitungen zur Übertragung von Gleichstrom (sogenannte HGÜ-Leitungen) dennoch eine Rolle in der Bundesfachplanung. Hier muss nämlich sichergestellt sein, dass am oder in dem festzulegenden Trassenkorridor für die Leitung überhaupt Flächen verfügbar sind, auf denen Konverter errichtet und mit der Leitung verbunden werden können.

Wie wird über einen Konverterstandort entschieden?

Die Entscheidung über den Standort für einen Konverter fällt nicht in der Bundesfachplanung. Für die Genehmigung gibt es mehrere Möglichkeiten:

Der Übertragungsnetzbetreiber kann bei der jeweils zuständigen Landesbehörde einen Antrag zur Genehmigung eines Standortes stellen. Der Übertragungsnetzbetreiber kann aber auch im Planfeststellungsverfahren, das auf die Bundesfachplanung folgt, einen Antrag auf Genehmigung eines Konverterstandortes stellen. In dem Fall ist die Bundesnetzagentur für die Genehmigung zuständig. Für welche Möglichkeit sich der Übertragungsnetzbetreiber im Einzelfall entscheidet und für welchen Standort er eine Genehmigung beantragt, kann bis zur jeweiligen Antragstellung offen sein.

Steht mit der Festlegung des Untersuchungsrahmens in der Bundesfachplanung bereits der Konverterstandort fest?

Legt die Bundesnetzagentur im Anschluss an die Antragskonferenz in der Bundesfachplanung den Untersuchungsrahmen für ein Gleichstrom-Vorhaben fest, ist der Standort eines Konverters noch offen. Bei Bedarf kann der Untersuchungsrahmen angepasst werden, falls sich im weiteren Verlauf der Prüfungen andere Standorte als die bis dahin genannten aufdrängen. Das kann etwa der Fall sein, wenn es Änderungen bei Schutzgebieten gibt.

Hybridleitungen

Ist die Kombination aus Gleich- und Wechselfeldern, wie sie bei Hybridleitungen auftritt, schädlich? Ist mit Wechselwirkungen zu rechnen?

Die Kombination von Gleich- und Wechselstromübertragung in Form einer Hybridleitung führt im Vergleich zur Übertragung von Gleich- beziehungsweise Wechselstrom nicht zu zusätzlichen direkten Auswirkungen auf den menschlichen Körper. Wechselwirkungen zwischen beziehungsweise eine Verstärkung der Auswirkungen von Gleich- und Wechselfeldern der einzelnen Systeme einer Hybridleitung treten nicht auf. Daher reichen auch bei Hybridleitungen die gesetzlich festgelegten Grenzwerte aus, damit die nachgewiesenen gesundheitsrelevanten Wirkungen sicher vermieden werden.

Weiterführende Informationen:

Technik-Dialog 2017: Hybridleitungen

Bedarfsermittlung 2017-2030

Mit wie viel installierter Windkraftleistung rechnet die Bundesnetzagentur bis 2025 und bis 2030 im Einzugsgebiet des SuedLink?

Ein Einzugsgebiet des SuedLink zu definieren, führte in die Irre. Das Über­tragungs­netz dient als Ganzes dazu, in Deutschland jederzeit und überall einen Ausgleich von Stromverbrauch und -erzeugung zu ermöglichen. Dabei haben erneuerbare Energien Vorrang. Die Funktion von SuedLink besteht nicht nur darin, Strom aus Anlagen in Schleswig-Holstein oder in der Nordsee zu bestimmten Verbrauchern zu bringen. SuedLink beseitigt – im Zusammen­spiel mit anderen HGÜ-Leitungen und dem Wechselstromnetz – in ganz Deutschland Nord-Süd-Engpässe. Wenn der Windstrom aus dem Norden nicht mehr allein durch das bestehende Wechselstromnetz geleitet werden muss, ermöglicht das dann auch Wind­energie­anlagen im südlichen Niedersachsen oder in Brandenburg, den Verbrauchern in ganz Deutschland ihre Erzeugung anzubieten. Daher ist es nicht sinnvoll, den SuedLink isoliert zu betrachten und einem konkreten Einzugsgebiet zuzuordnen.

Im Norden Deutschlands (Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Hamburg und Bremen) stehen bereits heute Onshore-Windkraft­anlagen mit fast 20 GW installierter Leistung. Im Jahr 2030 geht die Netz­entwicklungs­planung je nach Szenario von 22 bis 26 GW aus. Diese Anlagen sowie die Offshore-Anlagen in Nord- und Ostsee (mit 15 GW installierter Leistung bis 2030) können über das Übertragungsnetz Strom für ganz Deutschland zur Verfügung stellen – über den SuedLink, über den sogenannten Korridor A, über das auszubauende Wechselstromnetz und auch noch über den SuedOstLink.

Im Jahr 2030 werden allein im Norden mehr als 50 Tera­watt­stunden (TWh) Onshore-Windenergie und 64 TWh Offshore-Windenergie produziert. Im Süden (Bayern und Baden-Württemberg) fehlen hingegen 70 bis 80 TWh. Daraus resultiert ein notwendiger Nord-Süd-Transport, zu dem der SuedLink mit 23 TWh einen maßgeblichen Beitrag leistet.

Die Frage nach einem Einzugsgebiet von SuedLink suggeriert, es ließe sich exakt abgrenzen, welche Strom­erzeugung über den SuedLink abtransportiert würde. Eine solche Abgrenzung ist netztechnisch nicht möglich. Im Gegenteil: Die Über­tragungs­netz­betreiber beginnen sogar durch ihre Ad-Hoc-Maßnahmen, die Flüsse auf den Leitungen bewusst noch stärker vom Produktionsort des Stroms zu entkoppeln und so gleichmäßig auf die vor­handenen und geplanten Leitungen zu verteilen, dass diese möglichst hoch ausgelastet und zusätzliche Neu­bauten vermieden werden.

Eine hohe Auslastung des SuedLink ist jedenfalls schon durch die in Schleswig-Holstein für 2025 zu erwartende Onshore-Winderzeugung in Höhe von über 7 GW und Offshore-Winderzeugung in Höhe von 1,7 bis 2,5 GW gewährleistet sowie durch die Interkonnektoren nach Skandinavien (NordLink, Baltic Cable) mit einer Leistung von zusammen 2 GW. Diese Zahlen der Offshore-Winderzeugung sind abhängig vom Ausgang der zweiten Ausschreibung für Offshore-Windenergie im Jahr 2018.

Welche Windkraftkapazität steht bei einer mehrtägigen kalten Dunkelflaute wirklich zur Verfügung?

Bei völliger Windstille produzieren betroffene Windkraft­anlagen natürlich keinen Strom. Ein solches Phänomen tritt jedoch nicht weitflächig, also auch nicht überall im Norden gleichzeitig auf. Definiert man eine Flaute als eine Windeinspeisung von weniger als fünf Prozent der installierten Kapazität und berücksichtigt man nur Stunden ohne Photovoltaik-Einspeisung im Norden, bleiben 48 Winterstunden des Jahres, in denen von einer kalten Dunkelflaute gesprochen werden kann.

Über den Lauf des gesamten Jahres mit 8.760 Stunden betrachtet ergeben sich jedoch erhebliche Mengen an Strom aus Windkraft, für deren Transport es eines gut ausgebauten Übertragungsnetzes bedarf. In mehr als der Hälfte der Stunden kommt es beispielsweise zu einer Windeinspeisung mehr als 10 GW im Norden, für die geeignete Leitungen erforderlich sind.

Wie viel elektrische Arbeit wird bei einer mehrtägigen kalten Dunkelflaute im Norden benötigt?

Die benötigte Energie im Norden hängt in erster Linie von der jeweils zu deckenden Last ab, also der Nachfrage nach Strom. Diese schwankt wiederum mit den herrschenden Wetterverhältnissen. Aus der Last abzüglich aller erneuer­barer Einspeisungen ergibt sich die sogenannte Residual­last, die durch konventionelle Kraftwerke oder durch Energiebezug aus benachbarten Gebieten gedeckt werden muss. Im Falle einer kalten Dunkelflaute im Norden ergibt sich dort eine maximal zu deckende Residual­last von etwa 7,2 GW. In 48 Stunden Dunkel­flaute im Jahr ergäben sich etwa 220 GWh zu deckende Arbeit. Zum Vergleich: Der Gesamt­jahresverbrauch im Norden liegt im zweistelligen Terawattstunden-Bereich (1 TWh = 1.000 GWh).

An wie vielen Stunden könnten die für SuedLink geplanten vier Gigawatt tatsächlich über die Leitung fließen? An wie vielen Stunden wäre es Windkraftstrom?

Die Jahresrechnungen zum Netzentwicklungsplan 2030 zeigen, dass beide Maßnahmen des SuedLinks, also Vorhaben 3 und 4, in allen untersuchten Szenarien in einem Drittel aller Stunden eines Jahres mit zusammen vier Gigawatt voll ausgelastet sind. Hinzu kommen viele weitere Stunden mit immer noch hoher Auslastung. In all diesen Stunden würde je nach Angebot auch Strom aus Wind­energie­anlagen über den SuedLink in den Süden Deutschlands fließen.

Welche Stromleitungskapazitäten (380 kV und 220 kV) gibt es von Hessen und Thüringen nach Bayern?

Die im Startnetz enthaltenen Leitungen von Hessen und Thüringen nach Bayern haben zusammen eine thermische Kapazität von mehr als zwölf Gigawatt. Die thermische Kapazität steht dem Netz jedoch nie voll für den Trans­port zur Verfügung. Denn das Netz muss jederzeit Ausfälle von Betriebsmitteln verkraften können. Das bezeichnet man als n-1-Sicherheit. Sollen die Leitungen dieser Sicherheit entsprechen, lassen sich nur fünf bis sechs Gigawatt nach Bayern übertragen. Denn zu welchem Anteil die Summe der thermischen Kapazitäten genutzt werden kann, hängt von der Verteilung der Leistungs­flüsse auf die einzelnen Leitungen ab. Kommt es zu einer Leistungskonzentration auf eine oder wenige Leitungen, können die freien Kapazitäten der übrigen Leitungen nicht ausgenutzt werden. Hinzu kommt, dass nicht immer alle Leitungen an einem gedachten Schnitt durch das Netz Leistung in dieselbe Richtung trans­portieren. So kann es passieren, das jede einzelne Leitung hoch ausgelastet ist, in Summe jedoch nur wenig Leistung in eine Richtung fließt.

Welche Stromleitungskapazitäten gibt es von Österreich nach Bayern?

Die im Startnetz enthaltenen Leitungen von Österreich nach Bayern haben zusammen eine thermische Kapazität von mehr als sechs Gigawatt (GW). Die thermische Kapazität steht dem Netz jedoch nie voll für den Trans­port zur Ver­fügung. Denn das Netz muss jederzeit Aus­fälle von Betriebsmitteln verkraften können. Erst nach Durchführung entsprechender Ausfallrechnungen und Lastfluss­simulationen kann man die praktisch nutzbare Kapazität von Leitungen bestimmen.

Vor diesem Hintergrund ist zwischen Deutschland und Österreich eine Engpass­bewirtschaftung vereinbart, nach der insgesamt 4,9 GW Austauschkapazität von Deutsch­land nach Österreich zur Verfügung stehen müssen. Diese 4,9 GW resultieren nicht nur aus den bayerischen, sondern auch aus den baden-württem­bergischen Ver­bindungen nach Österreich. Deutschland und Österreich haben sich auf diese Handelskapazität auf Basis ein­gehender Berechnungen verständigt, die darlegen, wie leistungsfähig das vermaschte Netz in den Grenzregionen ist.

Wie groß sind die sicher verfügbaren Strom-Erzeugungskapazitäten in Bayern?

Im Jahr 2016 sind es noch 11,9 Gigawatt (GW) installierte Leistung, Kernkraftwerke eingeschlossen. Für das Jahr 2030 geht die Bundesnetzagentur von folgenden sicher verfügbaren Kapazitäten aus: 6,6 GW im Szenario A 2030, 9,2 GW im Szenario B 2030 und 9,1 GW im Szenario C 2030. Der im Juni 2016 veröffentlichte Abschluss­bericht des Energiedialogs Bayern ging für das Jahr 2023, also nach Abschaltung des letzten Kernkraftwerks, von einer gesicherten Leistung von 6 bis 8 GW aus.

Weiterführende Informationen:

Szenariorahmen 2017-2030

Von welcher Lebensdauer geht die Bundesnetzagentur bei der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) aus, die für manche Vorhaben geplant ist?

Für Erdkabel-Komponenten ist nach heutigen Erkenntnissen von einer Lebensdauer von etwa 40 Jahren auszugehen. Bei Freileitungs­abschnitten werden aufgrund der gesetzlichen Vorgaben in der Stromnetz­entgelt­verordnung Ab­schreibungs­dauern von 40 bis 50 Jahren angesetzt. Bei guter Wartung und Pflege kann eine Freileitung aber auch bis zu 80 Jahre halten.

Verstopfen Atom- und Kohlekraftwerke die Stromnetze, sodass Windräder abgeschaltet werden müssen? Wenn ja, was unternimmt die Bundesnetzagentur dagegen?

Es ist ein Mythos, dass konventionell erzeugter Strom die Netze verstopft. Richtig ist, dass konventionelle Kraft­werke und (bis zu ihrem Abschaltdatum) auch Kern­kraftwerke das Recht haben, ihren Strom am Markt an­zubieten. Dieses Recht darf und kann die Bundes­netz­agentur nicht beschneiden. Allerdings kommen die Konventionellen am Markt nur dann zum Zuge, wenn sie zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten. Vorrang haben zunächst erneuerbare Energien.

Erneuerbare-Energien-Anlagen dürfen im Falle von Netz­engpässen nur dann ab­geregelt werden, wenn zuvor alle konventionellen Anlagen heruntergefahren wurden. Allerdings gilt dies natürlich nur dann, wenn die abzu­regelnden Anlagen überhaupt einen entsprechenden Einfluss auf den Netzengpass haben. Ein konventionelles Kraftwerk abzuregeln, ohne dass dadurch die Menge des trans­portierbaren erneuerbaren Stroms steigt, ergäbe keinen Sinn.

In der Praxis kommt es vor, dass Erneuerbare-Energien-Anlagen abgeregelt werden, obwohl noch Strom­erzeugung auf Basis fossiler Energieträger betrieben wird. Das kann etwa daran liegen, dass fossil befeuerte Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen Strom einspeisen. Solche Anlagen genießen zumindest hinsichtlich des so­genannten KWK-Stroms einen mit den Erneuerbare-Energien-Anlagen gleichrangig gestellten gesetzlichen Einspeisevorrang.

Der Abschaltung von Windkraftanlagen kann man letzten Endes nur entgegen­wirken, indem man sie durch aus­reichend ausgebaute Stromnetze in die Energie­versorgung integriert.

Die Bundesnetzagentur überwacht die Einhaltung dieser Regeln. Dazu nutzt sie die regelmäßig vorgelegten Daten der Netzbetreiber über solche Maßnahmen. Die Bundes­netzagentur wertet die erfassten Daten im Rahmen der Quartalsberichte zu den Netz- und System­sicherheits­maßnahmen aus und veröffentlicht sie, um hier größt­mögliche Transparenz zu gewährleisten.

Warum werden die Kosten der Stromleitungen nicht entfernungsabhängig auf den Börsenpreis aufgeschlagen?

In Deutschland sind Netzentgelte für Stromnetze traditionell ausschließlich von Letztverbrauchern zu entrichten. Die Stromeinspeisung ist netzentgeltfrei. Diese eingespielte Praxis wird in der öffentlichen und fachlichen Diskussion inzwischen infrage gestellt. Auch Einspeiser sollten sich demnach an der Finanzierung der Netzkosten beteiligen. Die sich dabei stellenden Fragen sind jedoch höchst komplex und vielgestaltig. Sie gehen weit über die Frage der Verursachungsgerechtigkeit hinaus. Und schon diese ist nicht mit einer Entfernungs­abhängigkeit gleichzusetzen. Über welche Entfernung der Strom durchgeleitet wird, spielt seit der Liberalisierung des Strommarkts in den Neunzigerjahren keine Rolle mehr. Kein Stromkunde ist heute mehr vom örtlichen Stromlieferanten abhängig. Jeder kann sich frei ent­scheiden, von wem er Energie beziehen möchte, ohne dass die Höhe seines zu leistenden Netzentgelts hiervon beeinflusst wird. Dies war entscheidend für das Entstehen eines Wettbewerbs auf dem Strommarkt. Ohne die damit verbundene Anbieter­vielfalt lägen die Strompreise mit Sicherheit deutlich über dem heutigen Niveau.

Mit dem heutigen entfernungs­unabhängigen Netz­nutzungs­entgelt werden beim jeweiligen Netzbetreiber die Nutzung der Spannungsebene, an die der Netznutzer angeschlossen ist, und aller überlagerten Spannungs­ebenen abgegolten. Damit erhalten alle Netznutzer Zugang zum gesamten Netz und sie müssen lediglich einen Netznutzungsvertrag mit denjenigen Elektrizitäts­versorgungs­unternehmen ab­schließen, aus deren Netzen Elektrizität entnommen wird. Die genaue Herkunft des Stroms, die sich nicht aus den Handelsgeschäften, sondern physikalisch ergibt, kann per se nicht mehr nach­vollzogen werden. Ein entfernungs­abhängiges Entgelt müsste daher über eine willkürliche Zurechnung von Transport­entfernungen künst­lich definiert werden. Die (Wieder-)Einführung von entfernungs­abhängigen Netz­entgelten wäre in einem eng vermaschten Netz kaum noch realisierbar. Jedenfalls bedürfte es dazu einer Änderung der gesetzlichen Regelungen.

Auch Verbraucher mit dezentraler Stromerzeugung profitieren vom vermaschten Übertragungs- und Verteilernetz. Denn selbst wenn es diesen Verbrauchern gelingt, sich durch vorhandene dezentrale Erzeugung vorübergehend vom überregionalen Stromnetz zu lösen, steht dieses im Bedarfsfall und bei Störungen stets als Rück­fall­position voll zur Verfügung.

Müssen die Kosten der Stromleitungsnetze nicht hauptsächlich die Geringverbraucher tragen statt die Großverbraucher?

Stromnetze dienen allen Verbrauchern und werden grund­sätzlich von allen Netz­nutzern getragen. Richtig ist, dass der Gesetzgeber für Großverbraucher ver­schiedene Erleichterungen geschaffen hat, um ihre Wettbewerbs­fähigkeit und die daraus folgende Wert­schöpfung zu erhalten. Über alle Netzebenen hinweg ist die Verteilung der zu zahlenden Netzentgelte aber längst nicht so einseitig, wie manchmal unterstellt wird. Knapp zwei Drittel aller Netzkosten werden von Netznutzern mit Leistungsmessung getragen, die einen Verbrauch von mehr als 100.000 kWh pro Jahr aufweisen. Das restliche Drittel wird von nahezu allen Haushalts- und Millionen von Gewerbekunden getragen, die in der Nieder­spannungs­ebene angeschlossen sind und bei denen aufgrund ihres geringen Verbrauchs (weniger als 100.000 kWh pro Jahr) keine Leistungsmessung erfolgt.