Fragen und Antworten

Sie benötigen weitere Informationen zum Thema Stromnetzausbau? Auf den folgenden Seiten beantworten wir die häufigsten Fragen aus den Bereichen Allgemeines, Umwelt und Technik. Falls Ihr Anliegen noch nicht dabei ist, wenden Sie sich bitte an info@netzausbau.de.

Fragen & Antworten-Symbol. Im Hintergrund Menschen im Gespräch. Foto: Bundesnetzagentur

Allgemeines

Warum ist der Netzausbau notwendig?

Gründe für den gestiegenen Ausbaubedarf sind unter anderem der Umstieg auf erneuerbare Energien, das Ziel einer hohen Versorgungssicherheit und die Verwirklichung des europäischen Binnenmarkts.

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Warum Netzausbau?

Was sind die fünf Schritte des Netzausbaus?

Die Planung des künftigen Höchstspannungsnetzes läuft in fünf aufeinander aufbauenden Verfahrensschritten ab. Dies sind der Szenariorahmen, die Netzentwicklungspläne, der Bundesbedarfsplan, die Bundesfachplanung beziehungsweise Raumordnung und die Planfeststellung.

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Fünf Schritte

Wie wird der Bedarf an Stromleitungen ermittelt?

Mit den Neuregelungen im Energiewirtschaftsgesetz im Jahr 2011 wurde ein mehrstufiges Verfahren eingeführt, um den zukünftigen Bedarf an Höchst­spannungsleitungen zu ermitteln. Es beginnt alle zwei Jahre mit dem Erstellen eines sogenannten Szenariorahmens. Der genehmigte Szenariorahmen dient als Grundlage für die Netzentwicklungspläne, die alle Ausbaumaßnahmen enthalten, die für einen sicheren und zuverlässigen Betrieb des Höchstspannungs­stromnetzes erforderlich sind.

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Fünf Schritte

Was ist der Bundesbedarfsplan?

Der Bundesbedarfsplan ist die Anlage zum Bundesbedarfsplangesetz. Er listet die geplanten Vorhaben im Höchstspannungsnetz auf und stellt ihre energiewirtschaftliche Notwendigkeit sowie den vordringlichen Bedarf verbindlich fest.

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Bundesbedarfsplan

Was kostet der Netzausbau?

Die genauen Kosten des Ausbaus des Übertragungsnetzes sind derzeit schwer zu prognostizieren. Aus den Angaben der Netzbetreiber ergeben sich für die bestätigten Netzentwicklungspläne 2024 Summen von etwa 18 Milliarden Euro für den Netzausbau an Land und etwa 15 Milliarden Euro für den Offshore-Netzausbau. Darin enthalten sind allerdings noch keine Mehrkosten für eine mögliche Erdverkabelung an Land. Je nach den genauen Trassenverläufen können die tatsächlichen Summen mehr oder weniger stark von diesen Angaben abweichen.

Gezahlt werden die Kosten von den Verbrauchern über die Netzentgelte, die Teil des Strompreises sind. Dieser enthält aber auch noch andere Umlagen, Abgaben und Steuern sowie natürlich die Erzeugungskosten. Wie sich der Netzausbau auf den Strompreis auswirkt, lässt sich nicht genau vorhersagen.

Was ist das NOVA-Prinzip?

Die Abkürzung NOVA steht für Netz-Optimierung vor Verstärkung vor Ausbau. Das bedeutet, dass zunächst versucht wird, den aktuellen Netzbetrieb zu optimieren, zum Beispiel durch höhere Belastung bei kühleren Außentemperaturen. Danach geht man daran, die vorhandenen Leitungen zu verstärken. Nur, wenn beides nicht ausreicht, wird das Netz mit neuen Leitungen ausgebaut.

Was ist ein Vorhabenträger?

Ein Vorhabenträger ist ein Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB), der für ein bestimmtes Ausbauvorhaben verantwortlich ist. In Deutschland sind derzeit vier ÜNB tätig: 50Hertz Transmission GmbH, Amprion GmbH, TenneT TSO GmbH und Transnet BW GmbH. Diese Unternehmen sind ausschließlich für den Stromtransport zuständig. Sie sind weder Stromerzeuger noch verkaufen sie Strom an die Verbraucher.

Übrigens: Der Vorhabenträger wird nicht von der Bundesnetzagentur beauftragt, das Netz auszubauen. Diese Verpflichtung ergibt sich aus dem Energiewirtschaftsgesetz.

Wer sind die Träger öffentlicher Belange?

Ganz allgemein gesagt nehmen Träger öffentlicher Belange (TöB) öffentliche Aufgaben wahr. Danach ist jede Behörde ein TöB. Auch Bahn-, Versorgungs- und Infrastrukturunternehmen können dazugehören, sofern sie öffentliche Aufgaben erfüllen.

Abhängig vom jeweiligen Detaillierungsgrad der Planung haben TöB, die in ihrem Bereich von Netzausbau-Planungen berührt werden, bei der Bedarfsermittlung, der Bundesfachplanung und der Planfeststellung umfangreiche Beteiligungsrechte. Zu dieser Gruppe können unter anderem die für Raumordnung und Landesplanung zuständigen Landesministerien, Regierungspräsidien, Kreise und kreisfreien Städte gehören. Weitere Beispiele für betroffene TöB sind Umwelt-, Gesundheits-, Flurbereinigungs-, Wasserwirtschafts-, Straßenbau- und Bergbehörden. Eine abschließende Aufzählung enthält das NABEG jedoch nicht.

Wofür steht EnLAG?

EnLAG ist die Abkürzung für das Gesetz zum Ausbau von Energieleitungen. Dieses Gesetz haben der Bundestag und der Bundesrat im Jahr 2009 beschlossen, um den benötigten Netzausbau wesentlich zu vereinfachen und zu beschleunigen. Das Energieleitungsausbaugesetz enthält eine Liste von 22 Vorhaben, die vordringlich realisiert werden sollen. In der ersten Fassung waren es noch 24 Vorhaben, zwei davon wurden aber zwischenzeitlich als nicht mehr notwendig erachtet und im Gesetzgebungsverfahren aufgehoben. Die Zuständigkeit für die EnLAG-Vorhaben liegt bei den jeweiligen Bundesländern. Im neueren Netzentwicklungsplan gehören die 22 Vorhaben zum sogenannten Startnetz, auf das die weiteren Planungen aufsetzen.

Gibt es eine Entschädigung, wenn das eigene Grundstück vom Netzausbau betroffen ist?

In der Regel ist es so, dass ein Netzbetreiber keine Grundstücke erwirbt, um darauf eine Leitung zu errichten. Dennoch muss er natürlich fremdes Eigentum in Anspruch nehmen – zum Beispiel, um eine neue Freileitung darüber zu spannen. Dafür wird im Grundbuch eine sogenannte beschränkt persönliche Dienstbarkeit zugunsten des jeweiligen Netzbetreibers eingetragen. Damit kann dieser sein Vorhaben durchführen, das Grundstück bleibt weiterhin im Eigentum des ursprünglichen Besitzers. Wann immer möglich, sollen sich die Parteien gütlich darüber einigen.

Um den nötigen Grundbucheintrag machen zu können, versucht der Netzbetreiber, mit dem Grundstückseigentümer einen Vertrag zu schließen. Darin kann auch eine Entschädigung für das Überspannen, das Errichten eines Masts und den Grundbucheintrag selbst vereinbart werden. Wie hoch diese Entschädigung ausfällt, hängt von den tatsächlichen Einschränkungen für den Eigentümer ab; die Vertragsparteien können dies jedoch zunächst frei verhandeln. Für die Nutzung land- und forstwirtschaftlicher Flächen gibt es Rahmenvereinbarungen, die die Übertragungsnetzbetreiber mit einigen Landwirtschaftsverbänden getroffen haben.

Können sich der Netzbetreiber und der Grundstückseigentümer nicht einigen, so sind ein sogenanntes Besitzeinweisungsverfahren oder ein Enteignungsverfahren möglich. Es erfolgt allerdings in keinem Fall eine vollständige Enteignung, sondern ebenfalls ein Eintrag einer beschränkt persönlichen Dienstbarkeit ins Grundbuch. Für den Grundstückseigentümer gibt es auch in diesem Fall eine Entschädigung, die in einem behördlichen Verfahren festgesetzt wird und in der Regel niedriger ausfällt als bei einer gütlichen Einigung. Die bisherige Rechtsprechung hat für den Fall ein einmaliges Entgelt von zehn bis zwanzig Prozent des jeweiligen Verkehrswerts der betroffenen Fläche als angemessen anerkannt. Deutlich höhere Entschädigungssätze ergeben sich beispielsweise für Mastflächen auf Basis von Gutachten. Für Erdkabel auf 380-kV-Ebene fordert der Bauernverband wegen des stärkeren Eingriffs in die Bodenstruktur eine höhere Entschädigung als bei Freileitungen.

Darüber hinaus kann es auch Ansprüche auf Schadenersatz geben. Sie entstehen, wenn der Netzbetreiber beim Bau oder bei der Wartung einer Leitung fremdes Eigentum beschädigt. Solche Schäden können etwa bei landwirtschaftlichen Kulturen anfallen, wenn die Flächen vor der Ernte befahren werden müssen.

Lässt sich der Netzausbaubedarf stark reduzieren, wenn man auf dezentrale Energieerzeugung und Stromspeicher setzt?

Dafür müsste die Stromerzeugung mit dem -verbrauch zeitlich und räumlich zusammenfallen oder die Energie am Ort der Erzeugung gespeichert werden können. Ein solches Modell erscheint in kleinen Gemeinden mit einer hohen Stromproduktion aus erneuerbaren Energien und lokalen Speichermöglichkeiten denkbar. Gerade private Haushalte haben in den vergangenen Jahren viel zu einer dezentralen Stromerzeugung beigetragen.

Allerdings werden sich insbesondere der industrielle Verbrauch und der Bedarf von bevölkerungsreichen Regionen auf absehbare Zeit nicht durch dezentrale Klein­anlagen vor Ort vollends decken lassen. Speicher­möglichkeiten sind zudem nicht ausreichend entwickelt und ebenso wenig wettbewerbsfähig. Entsprechende Regionen wären auf den Zubau konventioneller Reserve­kraftwerke angewiesen. Diese müssten subventioniert werden und würden zusätzliche CO2-Belastungen mit sich bringen.

In der Praxis bräuchte etwa eine Metropolregion mit 3,5 Millionen Einwohnern 3.000 Windräder der 3-Megawatt-Klasse, um ihren Jahresenergiebedarf von etwa 19 Tera­watt­stunden (TWh) zu decken. Bei einer dreiwöchigen Flaute ergäbe sich im Jahresmittel ein Speicherbedarf von 1,1 TWh. Um diese Menge zu speichern, benötigt man die Kapazität von mehr als 58 Millionen Elektroautos (Klein­wagen) oder 130 Pumpspeicher in den baulichen Dimensionen des Pumpspeicherkraftwerks Goldisthal in Thüringen. Ein solcher für Deutschland typischer Ballungs­raum kann also dezentral im Sinne von autark weder regenerativ produzieren noch speichern.

Auch wirtschaftlich ist ein solches Szenario unrealistisch. In einer zugleich dezentralen und verbrauchsnahen Erzeugungsstruktur würde Strom aus erneuer­baren Energien nicht an den dafür günstigsten wind- beziehungs­weise sonnen­reichen Standorten erzeugt. Dies würde dazu führen, dass insgesamt wesentlich mehr Flächen für erneuerbare Energien gebraucht würden. Daher ist der Ausbau des Stromnetzes unverzichtbar.

Weiterführende Informationen:

Szenariorahmen 2017-2030

Werden bereits vorhandene Infrastrukturen wie Autobahnen bei der Planung berücksichtigt?

Ja, das geschieht vor allem mit der sogenannten Bündelung. Dabei werden neue Leitungen parallel zur bestehenden (linearen) Infrastruktur geführt. Zu dieser Infrastruktur zählen insbesondere Autobahnen, Bundesstraßen, Bahnlinien und bereits bestehende Hoch- und Höchstspannungsleitungen. So sollen Belastungen durch den Netzausbau (zum Beispiel für das Landschafts­bild) minimiert werden. Die Vor- und Nachteile einer Bündelung hängen jedoch immer von der allgemeinen Vorbelastung der Gebiete ab und müssen in jedem Einzelfall aufs Neue untersucht werden.

Werden Leitungen gebaut, um aus Braunkohle erzeugten Strom zu transportieren?

Der Szenariorahmen, der die Grundlage der bisherigen Netzausbau-Planungen bildet, sieht keinen Kapazitäts-Ausbau bei der Braunkohle-Verstromung vor. Im Gegenteil nimmt die Bundesnetzagentur bundesweit aktuell einen Rückgang an – von 21,2 auf 15,4 Gigawatt zwischen 2012 und 2024. Somit sind auch keine zusätzlichen Leitungen zur Anbindung von Braunkohlekraftwerken erforderlich; die bereits bestehenden kommen mit dem derzeitigen Übertragungsnetz aus. Gleichzeitig geht der Szenariorahmen von einem Wachstum der Erzeugungskapazität bei Windkraftanlagen an Land von 31 auf 55 Gigawatt aus. Wesentlicher Treiber des Netzausbaus sind also nicht die konventionellen Kraftwerke, sondern der umfangreiche Ausbau im Bereich der erneuerbaren Energien.

Wie viel Strom Kohlekraftwerke immer noch ins Netz einspeisen, hängt von den Bedingungen am Markt ab. Dabei spielen zum Beispiel die derzeit niedrigen Kosten für CO2-Zertifikate eine Rolle. Bei ihren Netzberechnungen muss die Bundesnetzagentur diese Bedingungen als gegeben hinnehmen und darf sie nicht eigenmächtig ändern. Fazit: Wegen des marktgegebenen Energiemix werden die neuen Leitungen auch Braunkohlestrom transportieren. Sie werden aber nicht für die Braunkohle gebaut.

Brauchen die großen Strommasten auch ein Leuchtsignal, wie man es von Windrädern kennt?

Leuchtsignale sind unter gewissen Voraussetzungen notwendig, um die Sicherheit des Flugverkehrs zu gewährleisten. Ob und wie ein Bauwerk gekenn­zeichnet werden muss, geht aus der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Kenn­zeichnung von Luft­fahrthindernissen hervor.

Innerhalb dicht besiedelter Gebiete müssen Bau­werke ab einer Höhe von 150 Metern und außer­halb dicht besiedelter Gebiete ab einer Höhe von 100 Metern gekennzeichnet werden. In Flug­platz­bereichen gibt es Sonder-Vorschriften.

Höchstspannungsmasten sind im Regelfall aber nicht höher als 80 Meter und müssen daher nicht mit einem Leuchtsignal ausgestattet werden.