Fragen und Antworten

Sie benötigen weitere Informationen zum Thema Stromnetzausbau? Auf den folgenden Seiten beantworten wir die häufigsten Fragen aus den Bereichen Allgemeines, Umwelt und Technik. Falls Ihr Anliegen noch nicht dabei ist, wenden Sie sich bitte an info@netzausbau.de.

Fragen & Antworten-Symbol. Im Hintergrund Menschen im Gespräch. Foto: Bundesnetzagentur

Umwelt und Technik

Wofür steht HGÜ?

Die Abkürzung HGÜ steht für Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung. Von Hochspannung spricht der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE) bei mindestens 60 Kilovolt (= 60.000 Volt). Gleichstrom fließt ständig in dieselbe Richtung – darin unterscheidet er sich vom Wechselstrom, der seine Flussrichtung in regelmäßigen Zeitabständen wechselt.

Sind die elektrischen und magnetischen Felder von Höchstspannungsleitungen gesundheitsgefährdend?

Grundsätzlich ist es möglich, dass elektrische und magnetische Felder im menschlichen Körper zusätzliche Ströme erzeugen. Wenn diese Ströme eine bestimmte Schwelle übersteigen, können biologische Wirkungen auftreten. Diese können vom Aufladen der Körperbehaarung bis zur Stimulation von Nerven und Muskeln reichen.

Aus diesem Grund müssen beim Betrieb von Stromleitungen Grenzwerte eingehalten werden. Diese sind so festgelegt, dass die nachgewiesenen gesundheitsrelevanten Wirkungen sicher vermieden werden – auch bei empfindlichen Personengruppen wie Kindern, kranken und alten Menschen.

Konkrete gesundheitliche Auswirkungen von Feldstärken unterhalb der Grenzwerte sind bislang wissenschaftlich nicht nachgewiesen. Zu diesem Ergebnis kommt unter anderem das Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit (femu) der RWTH Aachen. Das Zentrum hat im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz zu diesem Thema bislang mehr als 20.000 Publikationen gesammelt, aufbereitet und öffentlich im EMF-Portal zur Verfügung gestellt.

Das femu hat den wissenschaftlichen Kenntnisstand für die Bundesnetzagentur zusammengefasst:

Das Bundesamt für Strahlenschutz erklärt in einem Animationsfilm mögliche Belastungen durch Stromleitungen, die gesundheitlichen Auswirkungen elektrischer und magnetischer Felder sowie die Schutzmaßnahmen.

Weiterführende Informationen:

Welche Grenzwerte gelten für elektrische und magnetische Felder und wer bestimmt sie?

Welche Grenzwerte gelten für elektrische und magnetische Felder und wer bestimmt sie?

Die Grenzwerte sind in der 26. Bundes-Immissionsschutzverordnung (26. BImSchV) festgelegt. Diese Verordnung befasst sich mit der Vorsorge und dem Schutz vor schädlichen Umwelteinwirkungen durch elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder.

Die 26. BImSchV schreibt für das Wechselstromnetz mit einer Frequenz von 50 Hertz (Hz) einen Immissionsgrenzwert der magnetischen Flussdichte von 100 Mikrotesla vor. Dieser gilt für alle Orte, an denen sich Menschen nicht nur vorübergehend aufhalten. Der Grenzwert für die elektrische Feldstärke beträgt fünf Kilovolt pro Meter. Für Gleichstromanlagen (0 Hz) gilt ein Grenzwert der magnetischen Flussdichte von 500 Mikrotesla.

Die Grenzwerte basieren auf aktuell gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sie sind so festgelegt, dass die nachgewiesenen gesundheitsrelevanten Wirkungen sicher vermieden werden. Verschiedene Behörden und unabhängige Institutionen überprüfen die Grenzwerte in regelmäßigen Abständen. Zu ihnen gehören beispielsweise die Strahlenschutzkommission (SSK), das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS), die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Internationale Krebsforschungszentrum (IARC) und die Internationale Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP).

Die 26. BImSchV wurde im Jahr 2013 novelliert und an den aktuellen Stand der Wissenschaft angepasst. Neu eingeführt wurde dabei eine Minimierungspflicht. Diese soll sicherstellen, dass bei der Errichtung und bei wesentlichen Änderungen von Gleich- und Wechselstromanlagen alle technischen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um elektrische, magnetische und elektromagnetische Felder zu minimieren.

Weiterführende Informationen:

Sind die elektrischen und magnetischen Felder von Höchstspannungsleitungen gesundheitsgefährdend?

Gibt es Regelungen für den Abstand zwischen Höchstspannungsleitungen und Wohnhäusern?

Bundesweite gesetzliche Mindestabstände gibt es nicht. Allerdings müssen Stromleitungen so weit von Wohngebäuden entfernt sein, dass die geltenden Grenzwerte für elektrische Feldstärke und magnetische Flussdichte eingehalten werden. Vorhaben, die diese überschreiten, sind grundsätzlich nicht genehmigungsfähig. Die Grenzwerte müssen auch im laufenden Betrieb eingehalten werden.

Daneben spielen auch die Regelungen der einzelnen Länder eine Rolle. So sieht beispielsweise das niedersächsische Landes-Raumordnungs­programm Mindestabstände vor, die allerdings in erster Linie dem Schutz und Erhalt des Wohnumfelds dienen und nicht dem vorsorgenden Gesundheitsschutz. Neue Höchstspannungs-Freileitungen sollen in Niedersachsen demnach einen Abstand von mindestens 200 Metern zu Wohngebäuden einhalten. Im Geltungsbereich eines Bebauungsplans oder im unbeplanten Innenbereich einer Gemeinde beträgt der Mindestabstand sogar 400 Meter. Dort gilt diese Regelung auch für vergleichbar sensible Gebäude wie Schulen, Kindertagesstätten und Krankenhäuser. Zum Innenbereich gehören Gebiete mit zusammenhängender Bebauung – was als solche gilt, kann je nach den örtlichen Gegebenheiten variieren. Die genannten Abstände können allerdings auch unterschritten werden. Dies ist zum Beispiel möglich, wenn keine geeignete zulässige Trassenvariante möglich ist, die die Mindestabstände einhält. Gleichstromvorhaben mit Erdkabelvorrang sind bei einem Abstand von weniger als 400 Metern zum Innenbereich oder 200 Metern zum Außenbereich eines Wohngebiets in diesen Abschnitten immer als Erdkabel zu realisieren.

Unabhängig von den Mindestabständen sind die sogenannten Schutzstreifen zu sehen. Diese dienen dazu, Überschläge und Verletzungen im unmittelbaren Umfeld von Hochspannungsleitungen zu verhindern. Geregelt wird dies in der Norm DIN EN 50341, die Mindestabstände innerhalb der Freileitung und zu Bauwerken, Infrastruktureinrichtungen und anderen Objekten vorschreibt.

Weiterführende Informationen:

Sind die elektrischen und magnetischen Felder von Höchstspannungsleitungen gesundheitsgefährdend?

Welche Grenzwerte gelten für elektrische und magnetische Felder und wer bestimmt sie?