Menschen, insbesondere die menschliche Gesundheit

Der Stromnetzausbau kann Menschen auf verschiedene Weise betreffen. Darum berücksichtigen die einzelnen Umweltprüfungen alle Aspekte, die das Leben, die Gesundheit oder das Wohlbefinden des Menschen beeinflussen können.

Familie im Park. Foto: Wavebreak Media Ltd ©123RF.com

Beim Thema Gesundheit sind vor allem mögliche Umwelt­belastungen zu prüfen und zu bewerten. Dies sind insbesondere die gesundheitlichen Wirkungen von elektrischen, magnetischen und elektromagnetischen Feldern, aber auch Luft­verunreinigungen. Für das Wohl­befinden ist es ebenfalls wichtig, dass allen Menschen Freizeitaktivitäten und Aktivitäten zur Erholung er­möglicht werden.

Elektrische und magnetische Felder

Grundsätzlich gibt es auf der Erdoberfläche und in der Atmosphäre natürliche elektrische und magnetische Felder. Im Körper aller Lebewesen sind elektrisch geladene Teilchen vorhanden, die sich bewegen und zu elektrischen Strömen führen. So kommt es beispielsweise beim Weiterleiten von Signalen im Nerven­system zu elektrischen Impulsen. Ist der Mensch externen elektrischen und magne­tischen Feldern ausgesetzt, können zusätzliche Ströme im Körper erzeugt werden. Wenn die elektrischen Felder eine bestimmte Schwelle überschreiten, kann das zu wahrnehmbaren Wirkungen führen, beispielsweise zur Aufladung der Körper­behaarung. Im Körperinneren entstehen dann Körper­ströme, um diesen Prozess auszugleichen.

Magnetische Wechselfelder können Nerven und Muskeln stimulieren, wenn sie be­stimmte Schwellenwerte über­schreiten. Höhere Werte können die Gesundheit ernst­haft gefährden, indem sie zum Beispiel Herzkammerflimmern und zusätzliche Herzkontraktionen auslösen. Außerdem können schwache Lichtblitze in der Netz­haut des Auges auftreten.

Es ist daher wichtig zu wissen, ab welchem Schwellen­wert mit gesundheitlichen Gefährdungen gerechnet werden muss. Auf Basis gesicherter wissenschaftlicher Erkenntnisse hat der Gesetzgeber Grenzwerte festgelegt, mit denen körperliche Auswirkungen sicher vermieden werden sollen. Diese stehen in der 26. Bundes-Immissionsschutzverordnung.

Ob es auch unterhalb dieser Grenzwerte gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen geben kann, ist aller­dings trotz jahrzehntelanger Forschung noch immer umstritten. Die Forschung konzentriert sich auf Er­krankungen wie Krebs, Parkinson und Alzheimer, auf die Veränderung von Hirnströmen und auf Elektrosensibilität. Laut dem Bundesamt für Strahlenschutz hat bislang keine Untersuchung klar nach­gewiesen, dass diese Krankheiten oder Veränderungen auf elektrische, magnetische und/oder elektromagnetische Felder von Stromleitungen zurück­zu­führen seien.

Ionisierung der Luft

Hohe elektrische Feldstärken können an der Oberfläche von Freileitungen soge­nannte Korona-Entladungen verursachen. Bei Wechselstrom kann dieser Vorgang vor allem bei hoher Luftfeuchtigkeit und bei Regen auftreten. Bei Gleich­strom­anlagen hingegen ist dieser Effekt stärker bei trockenen Wetterlagen zu beobachten. Bei Korona-Entladungen werden die Luftmoleküle in einigen Zenti­metern um die Leiterseile herum ionisiert, also elektrisch aufgeladen. Durch chemische Prozesse können im Bereich dieser Korona Luftschadstoffe entstehen wie Ozon und Stick­oxide, die sich normalerweise jedoch rasch auflösen und dadurch keine große Reich­weite haben. Der Effekt ist bei Gleichstromfreileitungen wesentlich stärker aus­ge­prägt als bei Wechselstromfreileitungen, weil die ständige Ladungsumkehr beim Wechselstrom die ionisierten Luftmoleküle schneller neutralisiert. Auch bereits vor­handene Luftschadstoffe können aufgeladen werden und dadurch möglicher­weise gesundheitliche Auswirkungen auf den Menschen haben. Das Bundes­amt für Strahlen­schutz schätzt das damit verbundene Gesundheitsrisiko allerdings als un­wahrscheinlich beziehungsweise sehr gering ein.

Lärmbelastungen

Sowohl beim Bau als auch bei dem Betrieb von Strom­leitungen kann es zu Ge­räusch­entwicklung kommen. Sogenannte Korona-Geräusche werden während des Betriebs als Knistern, Surren oder Brummen wahr­genommen. Art, Dauer und Inten­sität dieser Geräusche hängen unter anderem von den Wetterverhältnissen ab, von der Auslastung der Leitung und von der Umgebung. Feuchtigkeit durch Nebel oder Raureif verstärkt die Geräusche bei Wechselstromleitungen. Bei Gleich­strom­leitun­gen ist es umgekehrt: Hier kann Feuchtigkeit sogar helfen, die Geräusche zu redu­zieren.

Die Vorhabenträger müssen die Immissionsrichtwerte der Technischen Anleitung zum Schutz gegen Lärm ein­halten. Dies wird bei der Zulassung der Leitungen und Bau­werke durch Schallgutachten überprüft und bewertet. In reinen Wohngebieten darf ein Geräusch­pegel von 50 Dezibel tagsüber in der Regel nicht überschritten werden. Nachts sinkt der Richtwert auf 35 Dezibel. Nur in Einzelfällen und kurz­zeitig ist es erlaubt, diese Werte zu überschreiten.

Sichtbeeinträchtigungen

Freileitungen, aber auch unterirdische Erdkabel können ihr Umfeld sichtbar beein­trächtigen. Dies kann sich unter Umständen auf Erholungs- und Freizeit­möglich­keiten im unmittelbaren Wohnumfeld auswirken. Wie groß der Einfluss tatsächlich ist, hängt immer von der konkreten Situation ab und muss daher im Einzelfall vor Ort geprüft werden.