Ökologisches Trassenmanagement

Um die Sicherheit von Leitungen in Waldbereichen gewährleisten zu können, muss die Vegetation auf der Trasse gepflegt werden. Beispielsweise dürfen bei Freileitungen umstürzende Bäume nicht die Leitung beschädigen und keine Äste in den Bereich der Leiterseile hineinwachsen. Erdkabeltrassen müssen unter Umständen komplett von tiefwurzelnder Vegetation freigehalten werden. Um diesen technischen Anforderungen gerecht zu werden, gibt es verschiedene Pflegekonzepte, die vom regelmäßigen Kahlschlag der gesamten Vegetation auf der Trasse bis hin zu fein abgestimmten Biotopmanagement-Plänen reichen.

Gehölzbewuchs unter und neben einer Freileitungstrasse. Foto: Bundesnetzagentur

Was versteht man unter ökologischem Trassenmanagement?

Durch das ökologische Trassenmanagement (ÖTM) soll der Eingriff, der durch die Pflegemaßnahmen entsteht, möglichst gering gehalten werden. Auch die Tier- und Pflanzenarten an der Trasse sollen durch die Entwicklung verschiedener Lebens­räume einen Nutzen von der Leitung haben.

Dabei ist die Entwicklung verschiedener Biotope möglich. Je nachdem, welche Funktion der Lebensraum an der Trasse erfüllen soll, können Offenlandbiotope, Gehölzbiotope und Übergangsbereiche entwickelt werden.

Gestufte Waldränder können die Windangriffsfläche für die einzelnen Bäume redu­zieren. Außerdem weisen solche Übergangstrukturen meist eine hohe Arten­vielfalt auf.

Der Pflegeaufwand kann zum Beispiel durch das Herauspflegen eines langsam wachsenden niedrigen Bestandes reduziert werden.

Expertenworkshop

Für die vielseitigen Möglichkeiten des ökologischen Trassenmanagements gibt es bereits positive Beispiele. Dennoch sind noch Fragen offen und für einige Funk­tionen des ökologischen Trassenmanagements fehlen wissenschaftliche Belege.

Ein gemeinsam von der Bundesnetzagentur und dem Bundesamt für Naturschutz ausgerichteter Expertenworkshop zum Thema »Ökologisches Trassenmanagement auf Stromleitungstrassen« fand am 1. und 2. Juli 2015 in Bonn statt.

Bei der Veranstaltung wurde das Thema in drei Vorträgen aus der Perspektive des Vorhabenträgers, des Naturschutz und der Genehmigungsbehörde beleuchtet. Außerdem wurden die verschiedenen Aspekte des ökologischen Trassen­manage­ments in vier Workshops behandelt:

  • ÖTM auf Bestandstrassen (Impulsvortrag von Michael Wahl, Westnetz)
  • ÖTM bei Neuplanung (Impulsvortrag von Frank Bernshausen, TNL Umweltplanung und Dr. Kerstin Winkler-Hartenstein, ERM GmbH)
  • ÖTM auf Erdkabeltrassen (Impulsvortrag von Dr. Elke Bruns, INER)
  • ÖTM und Biotopverbund (Impulsvortrag von Heinrich Reck)

Durch den fachlichen Austausch zwischen den insgesamt rund 60 Experten aus den Bereichen Planung, Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung konnten Erkenntnisse für die Genehmigungsverfahren beim Stromnetzausbau gewonnen sowie offene Fragen, Forschungs- und Handlungsbedarf identifiziert werden.